Welt : Viagra: Potenzmittel soll überprüft werden

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat eine Überprüfung der Abgabebedingungen für das Potenzmittel Viagra auf europäischer Ebene gefordert. Die Zahl von bisher 30 Todesfällen in Deutschland im Zusammenhang mit Viagra sei erschütternd, sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte habe die europäische Arzneimittelagentur zudem erneut aufgefordert, das Kosten-Nutzen-Risiko des Medikaments zu untersuchen.

Das Gesundheitsministerium hatte am Freitag die Todesfälle bestätigt. Es gebe jedoch in keinem der registrierten Verdachtsfälle einen "sicheren Nachweis für einen ursächlichen Zusammenhang", sagte ein Sprecher des zuständigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn.

Schmidt kritisierte, dass Viagra oft von Männern mit Bluthochdruck, Herz- und Kreislauferkrankungen eingenommen wurde, obwohl das Mittel dann lebensgefährlich sei. Manche besorgten sich Viagra möglicherweise ohne Verschreibung über das Internet. Neuerdings würden Jugendliche Viagra mit Wodka einnehmen, um einen besonderen, aber hoch gefährlichen Push zu erleben. Da das Präparat auf europäischer Ebene zugelassen worden sei, habe die Bundesregierung jedoch nur geringen Einfluss auf eine mögliche Verschärfung für die Abgabe von Viagra.

Seit der Zulassung von Viagra vor drei Jahren wurden nach Auskunft des Ministeriums 104 Verdachtsfälle von unerwünschten Nebenwirkungen offiziell gemeldet. In 30 Fällen habe die Einnahme "häufig als Folge einer Herz- oder Kreislaufkomplikation" zum Tod geführt. Insgesamt seien weltweit 616 und europaweit 77 Todesfälle nach der Einnahme von Viagra gemeldet worden.

In den Niederlanden wurde am Samstag bekannt, dass seit 1998 insgesamt 17 Männer nach Einnahme des Potenzmittels Viagra gestorben sind. Alle Opfer hätten allerdings auch wegen Herzbeschwerden Medikamente eingenommen, hieß es in einer Mitteilung der Inspektion für Gesundheitsvorsorge in Den Haag.

"Nach dem Begleitzettel hätten sie die Pille gar nicht nehmen dürfen", sagte eine Sprecherin. Ob die betroffenen Männer Viagra auf ärztliche Verschreibung oder auf illegale Weise erhalten hätten, sei nicht mehr festzustellen.

Seit der Markteinführung vor etwa 3 Jahren seien von Ärzten weltweit mehr als 45 Millionen Rezepte für über 15 Millionen Patienten ausgestellt worden, verwies der Viagra-Hersteller Pfizer aus Karlsruhe auf die hohe Anzahl der Potenzpillen-Konsumenten.

Bei korrekter Anwendung sei Viagra ein sicheres Medikament. Dies habe eine große Zahl von Studien und die breite Anwendung gezeigt. Pfizer warnte aber vor der Einnahme ohne Verschreibung durch einen Arzt.

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