Video : Eine Bank von Kindern für Kinder

Indische Straßenkinder betreiben eine eigene Bank – für Straßenkinder. Hier können sie Erspartes verzinsen lassen und sich Geld leihen für Schulkosten oder zur Existenzgründung.

Ram Singh ist noch ein Teenager, aber er arbeitet schon seit acht Jahren, in diesem Teeladen in Delhi. Wie viele Straßenkinder in Indien ist er von zu Hause ausgerissen, um sich allein durchzuschlagen: "Ich verdiene etwa einen Dollar am Tag. Davon spare ich 80 Cent und behalte den Rest als Taschengeld, um mir Kekse zu kaufen." An den meisten Tagen macht er an die hundert Tassen Chai, würzigen indischen Tee mit Milch. Acht Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Und nach jeder Schicht kommt er gleich hierher und zahlt sein Erspartes ein: Khazana, "Schatzkiste", ist eine Bank von Straßenkindern für Straßenkinder.

Die Filiale ist in einer Unterkunft für Straßenkinder untergebracht, Ram Singh ist einer von 30 Kunden hier. Schon mit wenigen Cent (Sogar weniger als ein Cent, oder?) können Kinder ein Konto eröffnen. Auf das Sparbuch gibt es fünf Prozent Zinsen, dank einer Hilfsorganisation. Samir ist 13 Jahre alt und einer der Manager der Kinderbank: "Jeden Tag zahlen Kinder ihr Geld hier ein, Kinder, die tagsüber arbeiten und dann zum Schlafen hierher kommen. Manche heben auch Geld von ihrem Konto ab. Ich sage ihnen, dass sie gut sparen sollen. Es bringt viel Profit. Sparen ist gut."

Die Bankmanager werden alle sechs Monate von den Kindern gewählt. Mit einem Erwachsenen entscheiden sie dann auch über Kredite, meist für eine Existenzgründung oder Schulgeld. Zwölf Filialen gibt es allein in Neu Delhi, mit tausend jungen Kunden in einem Land, in dem Kinderarbeit offiziell illegal ist. Sharon Mary Jacob, vom Kinderhilfswerk Butterflies: "Sie haben als Hausierer oder Träger gearbeitet, aber sie hatten nie einen sicheren Platz für ihr Geld. Sie wurden über's Ohr gehauen oder jemand stahl ihnen ihr Geld. Hier können sie ihr Geld dagegen sicher verwahren. Und darüber hinaus lernen sie auch noch etwas fürs Leben, sie lernen, wie sie ihr Geld richtig verwalten können, sie lernen Haushalten und sie lernen, was Teilnahme an einer Demokratie ist."

Innerhalb von zehn Jahren ist die Kinderbank auf 300 Filialen angewachsen, mit fast 10.000 Kunden in Südasien von neun bis 17 Jahren. Kinder wie Ram Singh haben hier gelernt, Geld nicht nur zum täglichen Überleben einzusetzen, sondern auch zu sparen, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

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