Welt : Viel Arbeit, Depressionen, Selbstmord?

André Anwar

Stockholm - Die Schauspielerin Johanna Sällström hat vor kurzem noch von ihrer neu gefundenen Lebensfreude gesprochen. Nun ist die „Linda Wallander“ aus der Krimiserie des Schriftstellers Henning Mankell tot. „Nimm einen Schnellzug in den Himmel“, klang es am Montag aus den Lautsprechern am Theater von Ystad. Das Ensemble hatte sich für die 32-jährige Kollegin Johanna Sällström zu einer Gedenkstunde eingefunden.

Johanna Sällström ist Millionen Europäern als Tochter des Filmkommissars Kurt Wallander bekannt. Die attraktive Schauspielerin hatte sich in das Kleinstadttheater zurückgezogen, um Ruhe zu suchen. Sie spielte in Tschechows Drama „Die Möwe“ mit. Psychisch ging es ihr schlecht. Nach der halben Spielzeit brach sie zusammen und suchte eine psychiatrische Klinik auf, erzählen ihre Ensemble-Kollegen. „Wir waren damals überzeugt, sie bald zurückzuhaben. Sie hat einfach zu hart gearbeitet“, sagt die Theaterproduzentin Josefine Tengblad. „Johanna war ein unglaublich warmer und liebevoller Mensch“, ergänzt die junge Theaterregisseurin Therese Willstedt.

Auch Henning Mankell bekundete inzwischen sein Beileid: „Ich bin sehr, sehr betroffen, dass ein junger, begabter Mensch auf diese Weise von uns gerissen wird.“ Die Schauspielerin starb in ihrer Wohnung im südschwedischen Malmö. Polizisten brachen in die Wohnung ein, weil Verwandte sich Sorgen machten. Gewalteinwirkungen seien ausgeschlossen. In Schweden vermutet man nun einen Selbstmord. Offizielles zur Todesursache gibt es nicht.

Zurück lässt Sällström ihre fünfjährige Tochter Talulah. Die Beziehung mit deren Vater, einem Berliner Kameramann, hielt nur, bis die Tochter ein Jahr alt wurde.

Die Karriere Sällströms verlief rasant. Schon mit 15 stand sie auf der Bühne. Mit 22 bekam sie den „Guldbagge“-Filmpreis – den schwedischen „Oskar“. In weniger als zwei Jahren spielte sie 13 Wallander-Produktionen ein. Insgesamt waren es bis zu ihrem Tod mehr als 30 Filme, Serien und gleichzeitig noch Theaterrollen. Nach Angaben des TV-Regisseurs Kjell Sundvall soll sie dabei unter „unmenschlichem Druck“ gelitten haben.

„Lange war meine wirtschaftliche Situation mehr als kritisch. Erst als ich mit Wallander angefangen hatte, verdiente ich Geld. Aber Geld rinnt mir einfach aus den Händen. Ich kann damit nicht umgehen“, sagte sie in einem erst vor kurzem publizierten Interview. Darin sagte sie aber auch, sie habe neuen Lebensmut gewonnen und es gehe ihr seelisch viel besser.

Traumatisch war für Johanna Sällström das Erlebnis des Tsunamis in Thailand. „Ich erinnere mich daran, wie es ganz still wurde. Keine Vogelstimmen. Wir Menschen saßen ganz hoch oben im Dschungel und warteten auf die zweite Welle. Das war das jüngste Gericht“, erzählte sie lange danach. In einem ihrer letzten Interviews sagte sie: „Ich habe immer geglaubt, mit 30 sterben zu müssen. Nun bin ich bald 32. Heute bin ich verdammt glücklich, dass ich leben darf und noch eine Weile mitmische.“

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