Welt : Viele Frauen bangen

Skandal um Brustimplantate soll vor Gericht.

Paris - Nachdem das französische Gesundheitsministerium vergangene Woche in einer beispiellosen Aktion 30 000 Frauen eine vorsorgliche Entfernung der Silikonkissen empfohlen hatte, kündigte die nationale Krankenkasse Cnam jetzt eine Strafanzeige wegen schweren Betrugs an. Der Gründer der in die Schlagzeilen geratenen Firma Poly Implant Prothese (PIP) soll sich vor Gericht verantworten. Der Justiz liegen zudem bereits mehr als 2000 Anzeigen von betroffenen Frauen vor.

Alle diejenigen, die mit dem Pfusch um Brustimplantate zu tun hätten, müssten aufgespürt werden, kommentierte der französische Gesundheitsminister Xavier Bertrand. Die Sozialversicherer rechnen damit, dass die Entfernung der minderwertigen Brustimplantate in Frankreich bis zu 60 Millionen Euro kosten könnte.

Die Firma PIP war 2010 pleitegegangen. Zuvor waren die Vermarktung, der Vertrieb und die weitere Verwendung der Implantate untersagt worden. Als ein möglicher Hauptverantwortlicher für den Skandal gilt der Franzose Jean-Claude Mas. Er ist Gründer des Unternehmens PIP. Statt Silikon für medizinische Zwecke wurde Industrie-Silikon verwendet. Die so gefertigten Kissen reißen schneller als andere, und das dann austretende Silikon ist nur schwer zu entfernen.

PIP produzierte zeitweise pro Jahr etwa 100 000 Implantate. Eine Zeit lang war die Firma weltweit drittgrößter Produzent der weichen Geltaschen. Sie wurden in mehr als 65 Länder geliefert.

Für Deutschland gibt es bislang keine genauen Zahlen. Seit 2004 wurden jedoch 19 Fälle von gerissenen PIP-Implantaten bekannt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte betroffenen deutschen Frauen geraten, „zur individuellen Risikoabwägung“ mit ihrem Arzt zu sprechen.

PIP-Gründer Mas steht wegen Trunkenheit am Steuer in Costa Rica bereits seit Monaten auf der Fahndungsliste von Interpol. Die internationale Fahndung nach ihm hat aber nichts mit den Implantaten zu tun. dpa

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