Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Welt bemitleidet Papst Franziskus, kauft Aktien und bläst die Blase auf und liefert Waffen – oder nicht?

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Papst Franziskus: eine gute Wahl?

Ja, mit Blick auf die rasche Entscheidung des Kardinalskollegiums. Die beweist, dass Franziskus in kürzester Zeit den Konsens der Kurie auf sich vereinen konnte. Aber fast genauso schnell hat das Hadern begonnen, was zeigt, das nicht einmal der Heilige Vater heilig ist. Hat er sich mit der argentinischen Militärdiktatur gemeingemacht? Eigentlich muss man die Una Sancta bemitleiden. Jeder mindere Premier oder Präsident kriegt seine hundert Tage. Franziskus hat gerade mal eine Woche bekommen. Petrus, sozusagen der erste Papst, muss sich im Himmel vor Grausen schütteln, vielleicht dem lieben Gott Vorwürfe machen: Wie kannst du nur zulassen, was deine Kinder mit deinem Stellvertreter machen?

Waffenlieferungen an syrische Rebellen: eine gute Idee?

Die Frage kommt etwas spät, liefert doch alle Welt Rüstzeug an die jeweils favorisierte Truppe, derweil dunkle Mächte, deren Namen mit I oder R beginnen, das Assad-Regime munitionieren. Der Vorteil von Waffenlieferungen: Sie ersparen den direkten Eingriff, und der sollte nicht unterschätzt werden. Inzwischen ist der Bürger- zum unerklärten Stellvertreterkrieg mit unzähligen interessierten Mächten geworden: USA, Frankreich, Türkei, Russland, England, Saudi-Arabien, Iran, Katar, Irak. Dazu kommen Al Qaida, Hisbollah und andere Terrorkrieger. Das geschundene syrische Volk hat Besseres verdient, aber dieser Balkan des 21. Jahrhunderts ließ sich voraussehen, weil Syrien eine strategische Schlüsselrolle in Nahost spielt.

Der Dax bei 8000: ein gutes Omen?

Ja, für eine Blase, die sich langsam aufbläht. Und kein Wunder. Wo sollen die Leute mit ihrem Geld hin, wenn’s auf Spareinlagen und sogar auf solide Staatsanleihen praktisch nur noch Negativzinsen gibt, also nach Abzug der Inflation? Gold glänzt auch nicht mehr, nachdem es zehn Prozent von seinem Höchstwert verloren hat. Andererseits: Die Konjunktur springt wieder an in Amerika, wo im jüngsten Berichtsmonat mehr Arbeitsplätze entstanden sind als die 200 000, die das Land braucht, um die Jungen und Einwanderer aufzunehmen, die zum ersten Mal auf den Markt drängen. WmdW kauft jetzt Aktien, weil überall die hohen Managergehälter runtergestaucht werden. Er freut sich deshalb auf höhere Dividenden, etwa einen Hundertstel Cent plus.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Guido W. ist zu Gesprächen über Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen bereit. Gespräche erkaufen Zeit, aber keinen Ausweg aus dem ur-deutschen Dilemma, das da sagt: Wir sind zwar für das Gute, schicken aber keine Waffen in Spannungsgebiete. Ein konfliktreicheres als Syrien gibt es derzeit nicht. Hoffentlich geht der Krieg zu Ende, bevor Berlin Flagge zeigen muss.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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