Update

Vierter Prozesstag : Breivik wollte alle Menschen auf Utøya töten

Kaltblütig und ohne Reue: Der norwegische Attentäter Anders Breivik hat sich am vierten Prozesstag zur Vorbereitung seiner Anschläge geäußert. Demnach wollte er alle Menschen auf Utøya sowie die gesamte norwegische Regierung töten.

Er hatte sich sein Attentat anders vorgestellt: Breivik wollte ursprünglich drei Bombenanschläge sowie eine weitere Schießerei in Oslo verüben - aber ihm fehlte die Zeit.
Er hatte sich sein Attentat anders vorgestellt: Breivik wollte ursprünglich drei Bombenanschläge sowie eine weitere Schießerei in...Foto: Reuters

77 Morde waren ihm nicht genug: Der Norweger Anders Behring Breivik hatte vor, alle der mehr als 560 Menschen auf der Fjordinsel Utøya umzubringen. „Das Ziel war nicht, 69 Menschen zu töten, das Ziel war, alle zu töten“, sagte Breivik am Donnerstag vor Gericht in Oslo. Er habe im vergangenen Sommer auch das gesamte norwegische Kabinett einschließlich Ministerpräsident Jens Stoltenberg umbringen wollen . Deshalb sei er vom Bombenanschlag auf das Osloer Regierungsviertel, bei dem acht Menschen starben, enttäuscht gewesen. „Das primäre Ziel war, die gesamte Regierung zu töten, inklusive den Staatschef“, sagte er mit ruhigen Worten zu seinen Erwartungen an die Bombenexplosion. „Die Kriterien für einen geglückten Angriff waren, dass mindestens die ersten Säulen der Gebäude zusammenbrechen und dass 12 Menschen sterben.“ Idealerweise hätte das Gebäude zusammenstürzen sollen, habe er sich ausgemalt.

Teil seines Plans sei es gewesen, nach den Bombenanschlägen mit einem Motorrad zu einem besetzten Haus, der Zentrale der Zeitung „Dagsavisen“ und dem Sitz der Sozialistischen Linkspartei zu fahren und dort „soviele Menschen wie möglich hinzurichten“. Stattdessen fuhr Breivik zum Jugendlager der Sozialdemokraten auf Utöya, dort starben 69 Menschen.

Auf Utøya sei das Hauptziel die einstige sozialdemokratische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland gewesen - er habe sie vor laufender Kamera enthaupten und das Video später ins Internet stellen wollen, sagte Breivik. Brundtland war aber schon abgereist, als Breivik die Insel erreichte. Zu seinen Plänen für Brundtland hätten ihn Enthauptungen inspiriert, die vom Terrornetzwerk Al-Kaida verübt würden, sagte er. Die Enthauptung sei aber „eine traditionelle europäische Todesstrafe. Sie sollte als sehr mächtige psychologische Waffe eingesetzt werden.“

Breivik prahlte am zweiten Prozesstag vor Gericht mit seinen Taten:

Rechtsextremer Attentäter Anders Behring Breivik vor Gericht
24. August 2012, das Urteil: Anders Breivik bekommt die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung ausgesprochen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 33Foto: dapd
24.08.2012 22:1224. August 2012, das Urteil: Anders Breivik bekommt die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung...

Als nächstes habe er den Anführer der sozialdemokratischen Jugend, Eskil Pedersen, im Visier gehabt. Die Jugendlichen auf der Insel habe er in Angst versetzen und mit der Waffe ins Wasser treiben wollen, wo sie ertrinken sollten. Seine Absicht sei es gewesen, alle Insassen des Lagers zu töten, sagte er. Utöya habe er ausgewählt, weil es zu dem Zeitpunkt das „politisch attraktivste Ziel gewesen“ sei. „Ich bin kein Kindermörder. Ich denke aber, dass alle politischen Aktivisten, die sich dem Kampf für eine multikulturelle Gesellschaft verschrieben haben (...) ein legitimes Ziel sind“, sagte Breivik. Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft räumte er ein, dass das Massaker auf Utöya „extrem schwierig“ gewesen sei. Er habe damit gerechnet, dass die meisten der Utøya-Besucher älter als 18 Jahre alt seien. Er habe keine Minderjährigen töten wollen. Die Jugendlichen hätten sich aber umgedreht, so dass er ihre Gesichter nicht sehen und das Alter nicht beurteilen konnte.

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

7 Kommentare

Neuester Kommentar