Welt : Vierzehn Jahre Haft für Daimler im "Lucona-Prozeß"

Kieler Landgericht hält den Kaufmann des sechsfachen Mordes für schuldig / Anwalt: Urteil wird akzeptiert KIEL (AP) Mehr als 20 Jahre nach dem Untergang des Frachters Lucona ist die Äffäre jetzt gerichtlich aufgearbeitet: Am Mittwoch verurteilte das Kieler Landgericht den 62jährigen Hans Peter Daimler zu 14 Jahren Haft wegen Beihilfe zum vollendeten und versuchten Mord in je sechs Fällen sowie wegen versuchten Versicherungsbetrugs.Die Schwurgerichtskammer sah es als erwiesen an, daß der ehemalige Kaufmann dem Österreicher Udo Proksch zur Seite stand, als der 1977 den Frachter Lucona gesprengt hatte, um für eine angeblich wertvolle Ladung über 31 Millionen Franken von einer Versicherung zu kassieren.Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert. Bei dem Untergang der Lucona im Indischen Ozean waren sechs der zwölf Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen.Statt einer hochversicherten Uranerz-Aufbereitungsanlage befanden sich nach Ansicht des Gerichts bemalte Teile einer alten Kohleaufbereitungsanlage an Bord.Der 63jährige Udo Proksch war 1992 in Österreich wegen sechsfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter Uwe Martensen erklärte in der Urteilsbegründung, es stehe außer Zweifel, daß Proksch den Versicherungsbetrug geplant habe.Der Industrie-Designer sei die zentrale Figur gewesen. Daimler, der seit 1991 in Haft sitzt, sei von Anfang an in den Versicherungsbetrug eingeweiht gewesen.Ihm sei ein nicht zu beziffernder Geldbetrag zugesichert worden. Proksch, der Daimler aus der Jugendzeit gekannt habe, habe einen globalen Plan gehabt und sei auf die Hilfe Daimlers im kaufmännischen und technischen Bereich angewiesen gewesen, sagte der Richter. Das Konzept für die Fälschungen von Unterlagen und die Legendenbildung stammten nach Ansicht des Gerichtes von Daimler. Detailliert schilderte die Schwurgerichtskammer über mehrere Stunden die Geschichte, die zu dem Tod von sechs der 12 Besatzungsmitglieder am 23.Januar 1977 führte.Als "psychologisch wichtigen Durchbruch" bezeichnete ein Richter die Entdeckung des unscheinbaren Schreibens einer Sekretärin, durch das klar geworden sei, daß viele Papiere der Briefkastenfirma im Nachhinein gefälscht worden waren.Daß der Angeklagte zu Beginn des Verfahren nicht zur Sache ausgesagt habe, sei nicht zu kritisieren, meinte der Richter, "hat uns aber erhebliche Umstände gemacht".Daimler, der im schwarzen Anzug im Gerichtssaal erschien, schüttelte bei den mehrstündigen Ausführungen des Gerichts mehrmals den Kopf. Einer der Verteidiger von Daimler, der auch als FSP-Politiker bekannete Wolfgang Kubicki, erklärte am Rande der Urteilsverkündung, der Richterspruch werde akzeptiert, weil damit das Verfahren beendet sei.Beim Alter des Angeklagten hätte es keinen Sinn gemacht, wenn in fünf oder sechs Jahren der Bundesgerichtshof Daimler für unschuldig erklären würde, meinte Kubicki.

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