Virus : Spaniens Grippe

Ein 23-jähriger Student bringt das Schweinegrippevirus als Erster nach Europa und Madrid meldet 20 weitere Verdachtsfälle.

Ralph Schulze[Madrid]

„Leiden sie an Grippesymptomen?“, lautet derzeit die Standardfrage an Spaniens Flughäfen. Herkunft, Reiseziel und Kontaktadresse während des Aufenthaltes aller Einreisenden nach Spanien werden auf Formularen festgehalten. So auch bei den Passagieren des Fluges MXA 1586, die am Montag auf dem Hauptstadtflughafen Barajas landeten. Grenzpolizisten mit Gummihandschuhen und Schutzmasken empfingen die Fluggäste; noch im Flugzeug mussten die 251 Fluggäste der mexikanischen Fluglinie einem Inspektor der spanischen Gesundheitsbehörden, der sich ebenfalls hinter einem Mundschutz versteckte, Rede und Antwort stehen. Ein Arzt stand bereit, um Verdachtsfälle gleich untersuchen zu können. Doch an Bord befand sich dieses Mal kein „Verdächtiger“. Alle Reisende, meist Mexikaner und Spanier, durften die Maschine verlassen.

Einige Passagiere kamen trotzdem mit blauer oder weißer Atemschutzmaske aus dem Madrider Ankunftsgebäude. „Zum Eigenschutz“, sagt ein junger Mexikaner mit hochgeschobener Sonnenbrille. „Schon auf dem Airport in Mexico City sei per Lautsprecher gesagt worden, dass niemand mit Krankheitsanzeichen das Land verlassen dürfe“, sagt der 25-jährige, der zum Familienbesuch nach Spanien kommt. Er wolle lieber sicherheitshalber „noch ein paar Tage“ mit Maske herumlaufen. Man wisse ja nie.

Nachdem in Spanien am Montag der erste europäische Fall des Schweinegrippenvirus offiziell bestätigt wurde, verstärkten die Behörden die Schutzmaßnahmen auf den Flughäfen. Wärmedetektoren, die erhöhte Körpertemperatur entdecken sollen, wurden aufgebaut – eines der Krankheitssymptome ist Fieber. Die Ärzteteams auf den internationalen Airports in Madrid und Barcelona wurden verstärkt. Die Schutzmasken in den Flughafenapotheken waren am Montag ausverkauft; Käufer waren vor allem Airline- und Flughafenmitarbeiter. Rund zehn Flüge mit zusammen mehr als 2000 Passagieren kommen täglich aus Mexiko in Spanien an. Das spanische Königreich ist das europäische Einfallstor für Reisende aus dem lateinamerikanischen Staat.

Jener spanische Student, der am Montag als erster europäischer Krankheitsfall Schlagzeilen machte, war am 22. April von einer Reise aus Mexiko zurückgekehrt. Nachdem er in seinem ostspanischen Heimatort Almansa mit Fieber zum Arzt ging, wurde er ins Krankenhaus eingeliefert und unter Quarantäne gestellt. Sein Zustand wird als „stabil“ bezeichnet. Mindestens 20 Personen, die mit dem 23-Jährigen in Kontakt waren, werden „vorsorglich “ mit Medikamenten behandelt.

Zudem wurden bis Montagnachmittag mindestens 20 weitere Verdachtsfälle aus Spanien gemeldet, die Analyseresultate stehen hier aber noch aus. Spaniens Regierung bemühte sich am Montag, die Bevölkerung zu beruhigen. „Die Situation ist unter Kontrolle“, verkündete Gesundheitsministerin Trinidad Jimenez.

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