Welt : Virus vor Gericht

Dem Autor von „Sasser“ drohen fünf Jahre Haft

Kurt Sagatz

Im Frühjahr 2004 hatten die Computerwürmer „Netsky“ und „Sasser“ weltweit Millionen Rechner zum Absturz gebracht – selbst die Europäische Kommission war betroffen, und eine Airline musste Flüge streichen. Von Dienstag an steht Sven J., der damals 17-jährige Virenprogrammierer aus Rotenburg an der Wümme, vor Gericht. In Verden muss sich der als schüchtern geltende junge Mann wegen Datenveränderung, Computersabotage und Störung öffentlicher Betriebe verantworten.

Erwachsenen drohen für solche Delikte im schlimmsten Fall Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Da Sven J. zur Tatzeit jedoch noch minderjährig war, könnten nach dem Jugendrecht aber auch geringere Strafen wie Verwarnungen oder Arrest mit Arbeits- und Geldauflagen verhängt werden. Für den Prozess sind drei Tage anberaumt worden, am Donnerstag könnte somit das Urteil im bislang größten deutschen Prozess dieser Art fallen. Allerdings ist die Liste der Zeugen lang: Insgesamt 173 wurden von der Staatsanwaltschaft benannt, sechs von ihnen sollen vor Gericht gehört werden. Es wird damit gerechnet, dass Sven J. sein Geständnis, das er nach seiner Verhaftung Anfang Mai 2004 ablegte, wiederholen wird. Die Öffentlichkeit ist bei dem Verfahren ausgeschlossen.

Für seine Computerviren – allein 29 Varianten von „Netsky“ – hatte Sven J. eine seit längerem bekannte Schwachstelle der Microsoft-Betriebssysteme Windows 2000 und Windows XP genutzt. Microsoft war es dann auch, das den Virenautor mit einem Kopfgeld von 250 000 Euro zu Fall brachte. Ein Mitschüler der Berufsfachschule für Informatik gab den entscheidenden Tipp. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen aber auch gegen fünf mutmaßliche Komplizen. Der Tippgeber gehört dazu.

Wie hoch der Schaden von „Sasser“ ist, wird sich allerdings auch vor Gericht nicht klären lassen. Nur ein Teil der Opfer habe sich mit Ansprüchen über 130 000 Euro gemeldet, so die Staatsanwaltschaft, die von einem Schaden in Millionenhöhe ausgeht. Sven J. hat inzwischen das Lager gewechselt: Er hat eine Ausbildung bei einer Lüneburger Firma für Sicherheitssoftware begonnen und jagt jetzt selbst Viren und Würmer.

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