Vogel-Phänomen : Blaue Störche geben Experten Rätsel auf

Jetzt sind es schon drei blaue Störche. Nach dem ersten Auftauchen eines gefärbten Tieres im ostbrandenburgischen Biegen meldeten Vogelbeobachter in Hamburg und Niedersachsen jetzt ebenfalls Störche mit hellblauem Gefieder.

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Die meisten Ornithologen halten trotz der drei Fälle nichts von der Theorie eines genetischen Defekts. „Immer wahrscheinlicher wird eine Landung der Tiere auf einer mit blauer Farbe verunreinigten Wiese“, sagt der Vogelfachmann und Brandenburger Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes, Wolfgang Mädlow. „Dafür spricht die Beobachtung, dass sich die Farbe des Brandenburger Blaustorches auf seine später hinzugekommene Freundin leicht übertragen hat. Sie ist also durchaus löslich.“ Bei einer genetischen Besonderheit würde so etwas nicht passieren. Möglich wäre laut Mädlow auch der Beschuss mit einem sogenannten Paintball. Allerdings würde so ein Beschuss Verletzungen nach sich ziehen. Die wurden bislang nicht entdeckt. Wahrscheinlicher ist wohl ein „blaues Bad“ auf einer Müllkippe oder in einer Chemiefabrik. Demzufolge dürften noch weitere besondere Exemplare auftauchen, denn Störche ziehen gern in Gruppen zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren hin und her. Die nach der Entdeckung des ersten gefärbten Storches in Brandenburg aufgekommene Theorie, der Vogel sei irgendwo in einen Farbeimer gefallen, hat sich nach der Landung weiterer Blaustörche indes erledigt.

Letzte Aufklärung könnte eine Untersuchung von blauen Federn in einem Labor bringen. Allerdings hat der Biegener Storch noch kein Stück von seinem Federkleid preisgegeben. Selbst ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, der sich mit einer Drehleiter dem Nest genähert hatte, kam mit leeren Händen zurück. Experten befürchten, dass ein kräftiger Regenguss die Farbe komplett auswaschen und anschließender Sonnenschein das Gefieder bleichen könnte. Dann würden Laien und Fachleute weiter ratlos bleiben.

Unterdessen hält der Rummel um den blauen Storch von Biegen bei Frankfurt (Oder) an. Besonders seit dem Anflug eines weißen weiblichen Vogels klicken die Fotoapparate vieler Einheimischer und Touristen. Dorfbewohner berichten von einem regelrechten Kampf um den blauen Storch. Kürzlich sei eine zweite Storchenfrau am Nestrand aufgetaucht. Das Paar habe die Nebenbuhlerin aber gemeinsam vertrieben. Ortsbürgermeister Manfred Wilke will die Werbung für seinen Ort ankurbeln. Vielleicht wird es schon am kommenden Wochenende Kaffee und Kuchen für die Gäste geben.

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