Vogelgrippe : Besorgte Bürger melden tote Vögel

Nach dem Fund des Vogelgrippevirus' auf Rügen haben besorgte Bürger aus dem gesamten Bundesgebiet bei Behörden tote Vögel gemeldet. Allein in Berlin wurden seit Mittwoch neun tote Vögel abgegeben.

Hamburg - Nach dem Fund des gefährlichen Vogelgrippe- Erregers H5N1 in zwei Schwänen und einem Habicht auf der Insel Rügen melden besorgte Bürger in ganz Deutschland den Behörden tote Vögel. Von der Meise bis zum Schwan sei alles dabei, sagte der Sprecher des Brandenburger Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade, am Donnerstag. Nach Angaben der Polizei wurden allein in Berlin seit Mittwoch neun tote Vögel bei den Behörden abgegeben, darunter zwei Schwäne, zwei Elstern, ein Eichelhäher und eine Taube. In Sachsen wurden zwei tote Kraniche gefunden.

Bei vielen Ämtern stehen die Telefone nicht still, wie eine Umfrage der dpa ergab. «Wir haben 'zig Anrufe bekommen», sagte der Amtstierarzt im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis, Holger Botzen. «Die Leute melden praktisch jeden toten Vogel», sagte Uwe Landsiedel, Präsident der thüringischen Landestierärztekammer und Leiter des Veterinär- und Lebensmittelamtes im Kreis Nordhausen. Dort seien unter anderem Enten, Amseln, Tauben und Habichte gemeldet worden. Im Veterinäramt Weimarer Land wurden vier tote Bussarde registriert. «Sonst ruft deswegen kein Mensch bei uns an», sagte Amtstierarzt Steffen Hoffmann.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde warnte davor, tote Vögel zu berühren. «Erkrankte oder tote Vögel sollten weder privat beseitigt noch behandelt, sondern der Fund beim jeweiligen Bezirksamt oder der Polizei gemeldet werden», sagte der für Tierschutz zuständige Staatsrat Dietrich Wersich. Das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt untersucht die Tiere. Behördensprecher Hartmut Stienen sagte, in dieser Jahreszeit liegen in der Hansestadt gewöhnlich hunderte tote Vögel herum, ohne dass sich die Bevölkerung bisher groß darum gekümmert hätte. Regelmäßig würden Stichproben im Institut untersucht.

Bundesweit untersuchen die Behörden die Kadaver auf Vogelgrippe. Ein neuen Hinweis auf Vogelgrippe fanden die Labors zunächst nicht. «Meine Mitarbeiter sind voll ausgelastet», sagte der Leiter des Berliner Zentrums für Infektionsdiagnostik, Jochen Hentschke, am Donnerstag. Mehr als 40 Tiere wurden dort untersucht.

Auch im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wird deutlich mehr untersucht als sonst. Seit Oktober seien im LGL mehr als 1800 Proben von Wildvögeln untersucht worden, sagte der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn. Die Beamten würden von rund 300 ehrenamtlichen Vogelbeobachtern in Bayern unterstützt, die der Behörde verdächtige Funde melden.

In Mecklenburg-Vorpommern seien seit September 10 000 Proben auf Vogelgrippe überprüft worden, teilte das Agrarministerium in Schwerin mit. Bis zum Wochenende werde mit 2000 weiteren Proben gerechnet. Alle eingesammelten Vögel würden zunächst in das Landesamt für Landwirtschaft nach Rostock gebracht. Bei einem Vogelgrippe-Verdacht würden sie dann im Riemser Institut für Tiergesundheit genauer untersucht. (tso/dpa)

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