Vogelgrippe : Erster Verdacht in Griechenland bestätigt

Das Vogelgrippevirus ist möglicherweise auf einer griechischen Insel aufgetaucht. Damit wäre das Virus erstmals in einem EU-Land aufgetreten.

Athen/Berlin - Das gefährliche Vogelgrippevirus ist möglicherweise erstmals in der Europäischen Union aufgetaucht. Auf der griechischen Ostägäisinsel Oinousses wiesen Experten in einem Truthahn Antikörper gegen das Virus H5 nach. Unklar sei noch, ob der auch für Menschen gefährliche Subtyp H5N1 auf der Insel aufgetreten sei, sagte der griechische Landwirtschaftsminister Evangelos Basiakos, im Fernsehen am Montag. Unterdessen hat Bayern als ersten Bundesland alle Geflügelmärkte verboten. Es sprach sich zudem für ein bundesweites Freilaufverbot von Geflügel aus. Die Bundesregierung plant die Entwicklung eines Impfstoff-Prototyps für Menschen, der gegen eine weltweite Grippe-Epidemie eingesetzt werden könnte.

Auf der griechischen Insel Oinousses, die nur rund zwei Kilometer vor der türkischen Küste liegt, waren bei einem Bauern 9 von 20 Truthähnen verendet. Einige Proben von den toten Tieren wurden zu einem von der EU lizenzierten Speziallabor in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki geschickt, hieß es. Es dürfen keine Hühner oder Vogelprodukte aus der Ostägäisinsel Insel Oinousses herausgebracht werden. Außerdem müssen dort alle Vögel in Ställen untergebracht werden. Basiakos korrigierte Berichte des griechischen Fernsehens, wonach die Tötung der Vögel angeordnet worden sei.

Nach Angaben griechischer Experten ist es nach der Auftauchen der H5N1-Viren in Rumänien und der Türkei, ohnehin nur noch eine Frage der Zeit, bis die gefährliche Form der Vogelgrippe auch Griechenland erreicht. «Es handelt sich nämlich um die gleichen Zugvögel, die sich in der gesamten Region bewegen», sagte ein Tierarzt im Fernsehen.

Zur Vorbeugung gegen eine mögliche extrem gefährliche Grippe- Epidemie unter Menschen will der Bund unterdessen den Prototyp eines Impfstoffs entwickeln, wie Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) berichtete. Viele Experten befürchten, dass sich der Erreger der Vogelgrippe mit dem der menschlichen Grippe mischt und dann eine Art «Supervirus» entsteht. Dieses wäre leicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Ein endgültiger Impfstoff gegen ein solches Virus kann jedoch erst entwickelt werden, wenn es existiert und identifiziert ist. Produziert werden sollten 80 Millionen Impfdosen.

Der Impfstoff gegen die gewöhnliche Grippe reicht unterdessen in Deutschland möglicherweise nicht für die große Nachfrage in der laufenden Saison. «Es sieht so aus, als ob es knapp werden könnte», sagte die Sprecherin des Bundesamtes für Sera und Impfstoffe (Paul- Ehrlich-Institut), Susanne Stöcker, in Langen bei Frankfurt am Main. Aus Angst vor der Vogelgrippe ließen sich plötzlich ungewöhnlich viele Menschen impfen. Der Grippe-Impfstoff schütze jedoch nicht vor der Vogelgrippe, betonte Stöcker. «Die Vogelgrippe ist im Moment eine Krankheit von Tieren, und sie ist noch nicht einmal in Deutschland.»

Unterdessen gerieten die für die Umsetzung der Notpläne zuständigen Bundesländer unter Druck, weil sie nach Auffassung der EU-Kommission, der Bundesregierung sowie von Forschungs-Instituten derzeit noch zu wenig Medikamente vom Typ Tamiflu und Relenza vorhalten. Für 20 Prozent der Bevölkerung müsse vorgesorgt sein, kritisierten Experten in Berlin. Tatsächlich sind nach Angaben aus Länderkreisen erst Medikamente für 10 Prozent bestellt. Im Gegensatz zu Impfstoffen wirken Medikamente unspezifisch gegen vielerlei Grippeviren.

Für den Fall einer Pandemie geht das Robert Koch-Institut von einer ersten Ansteckungswelle mit einer Infektionsrate von 30 Prozent der Bevölkerung aus. Würde ein Supervirus kommen, wäre theoretisch mit einer um 50 Prozent höheren Sterblichkeit zu rechnen als bei einer normalen Grippe.

Zum Schutz des Geflügels vor der Vogelgrippe verbot Bayern als erstes Bundesland sämtliche Geflügelmärkte und Vogelschauen. Seit Montag dürfen die Märkte nicht mehr veranstaltet werden, sagte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums in München. An diesem Dienstag will Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) die anderen Bundesländer von einem generellen Freilaufverbot für Geflügel überzeugen. In einzelnen anderen Bundesländern gilt die Stallpflicht bisher nur in Regionen, die auf der Strecke der Zugvögel liegen.

Ein deutschlandweites Freilaufverbot ist nach Angaben des zuständigen Bundesinstituts weiterhin nicht erforderlich. Für Deutschland sei derzeit von einem geringen Einschleppungsrisiko über Zugvögel auszugehen, da die herbstlichen Flugrouten von Norden nach Süden führen, sagte eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems am Montag. Noch sei unklar, ob das Vogelgrippe- Virus nach Rumänien über Wildvögel, über Tiertransporte oder über den Handel eingeschleppt worden sei. (tso/dpa)

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