Vogelgrippe : Freilaufverbot im Norden

In Teilen Niedersachsens, Nordrhein- Westfalens und Mecklenburg-Vorpommerns muss Geflügel im Stall bleiben. Für die Zeit des Vogelzugs soll so verhindert werden, dass das Vogelgrippe-Virus übertragen werden kann.

Hannover/Leer (15.09.2005, 15:00 Uhr) - Zum Schutz vor der Vogelgrippe ist die Freilandhaltung von Geflügel seit Donnerstag in Teilen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern verboten. Bis Ende November müssen Hühner, Puten, Enten und Gänse in den Ställen bleiben, um eine denkbare Übertragung des Virus durch den jetzt einsetzenden Vogelzug zu verhindern. Ausnahmen sind möglich. Dann müssen die Auslaufflächen für die Tiere aber abgedeckt werden.

In Niedersachsen gilt das Freilaufverbot auf mehr als der Hälfte der Landesfläche. Kriterien waren dort Zugvogelrouten, Rastplätze und Geflügeldichte. In Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern muss Geflügel dagegen nur in der Nähe von Rastplätzen der Zugvögel eingesperrt werden.

Die 13 anderen Bundesländer hatten kein Freilaufverbot für Geflügel verhängt. Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hält ein Verbot derzeit ebenfalls nicht für notwendig. Nach einer entsprechenden Verordnung müssen Wildvögel und Geflügel aber bundesweit verstärkt auf das Vogelgrippevirus untersucht werden.

Die von Zugvögeln ausgehende Gefahr ist nach Expertenansicht gering. "Am Vogelzug nehmen nur gesunde und leistungsstarke Tiere teil", erläuterte die Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Vogelgrippe, Ortrud Werner, in einem dpa-Gespräch. Fraglich sei, ob infizierte Tiere noch in der Lage sind, diese Leistung zu vollbringen. "Wir wissen aus China und der Mongolei, dass die Tiere infiziert, erkrankt und zeitnah gestorben sind."

Ein Freilaufverbot sei aus Expertensicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht notwendig, sagte Werner. "Anders sieht die Situation aus, wenn wir tatsächlich Wildvögel mit dem Erreger nachweisen." In einem solchen Fall sei ein solches Verbot sinnvoll. "Eine entsprechende Eilverordnung für ein bundesweites Aufstallungsgebot liegt in der Schublade." Die Ausbreitung der Vogelgrippe nach Russland ist nach Werners Ansicht eher über den Tierhandel als über den Vogelzug erfolgt. "Die größte Gefahr für Deutschland geht vom illegalen Import infizierter oder erkrankter Tiere aus."

Verband will Verbot der Freilandhaltung

Die deutsche Geflügelwirtschaft dringt dagegen auf ein bundesweites Verbot der Freilandhaltung. "Man wird nicht kurzfristig handeln können, wenn man das Virus vor der Tür hat", sagte der Sprecher des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, Thomas Janning. Rund zehn Prozent der etwa 45 Millionen Legehennen leben nach Angaben des Verbands in Freilandhaltung. Janning begrüßte die Forderung Künasts, verstärkt den illegalen Tierhandel zu kontrollieren.

Trotz eines neuen Falls von Vogelgrippe im Uralgebiet gaben die russischen Behörden unterdessen weitgehende Entwarnung. Der Vormarsch des potenziell auch für Menschen gefährlichen Erregers in Russland sei gestoppt, die Quarantäne an vielen Orten wieder aufgehoben, erklärte das Landwirtschaftsministerium in Moskau. Als bislang jüngster Fall von Vogelgrippe wurde der Tod von 39 Hausenten und Hühnern im Dorf Lugowaja im sibirischen Gebiet Tscheljabinsk östlich des Urals ermittelt. Im europäischen Teil Russlands wurden bislang keine Infektionen festgestellt.

Die Einhaltung des Freilaufverbotes müssen laut Verordnung in Niedersachsen von den Veterinärämtern der betroffenen Landkreise überwacht werden. "Wir können nicht alle Geflügelhalter kontrollieren", sagte der Leiter des Veterinäramt im niedersächsischen Landkreises Leer, Franz Efkes. Er hofft auf die Mithilfe der Bevölkerung. "Wer sein Federvieh in den Stall bringt, wird schon aus Gerechtigkeitssinn dafür sorgen, dass sich auch andere daran halten." Verstöße können mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro geahndet werden.

Hobbyzüchter Helmut Döbbeling aus dem niedersächsischen Diepholz hat seine 5 Hähne und 30 Hennen der Rasse New Hampshire jetzt im Stall. Er hält von der Verordnung allerdings nichts. "Das ist alles Quatsch, dahinter steckt die Eier-Mafia. Die wollen uns Hobbyzüchter weg haben." Er kritisierte zudem, dass Tauben nicht eingesperrt werden müssten. (tso/dpa)

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