Vogelgrippe : Keine reine Geflügelseuche

Auch Katzen können sich mit dem Vogelgrippevirus H5N1 infizieren und es sogar weiter verbreiten. Das wissen Forscher aus Fällen in Asien und Versuchen im Labor. Vereinzelt wurde auch von Vogelgrippe-Infektionen bei Hunden berichtet.

Münster/Rotterdam - Der Weg des Virus in die Katze ist inzwischen bekannt: 2004 stellte ein Forscherteam des Erasmus Medical Center in Rotterdam die Infektion nach. «Wir versuchten, insgesamt sieben Katzen mit dem Virus H5N1 zu infizieren», sagt Thijs Kuiken, der als Pathologe an den Versuchen mitarbeitete. Drei verschiedenen Infektionswege hatte er mit seinen Kollegen getestet: «Wir brachten das Virus in die Luftröhren einiger Tiere, anderen gaben wir das Fleisch infizierter Hühner zu fressen.» Schließlich setzten die Forscher auch gesunde Katzen in den Käfig zu bereits erkrankten Tieren.

Innerhalb von etwa drei Tagen wurden alle Tiere krank. «Auf allen drei Wegen konnten wir die Katzen infizieren», sagt Kuiken. Die Tiere seien erschöpft gewesen und hätten schnell und flach geatmet. Die Augen der Katzen tränten, manche Tiere bekamen Durchfall. «Eine der sieben Katzen ist nach sechs Tagen gestorben», berichtet der Virologe.

«Ziemlich ungewöhnlich war, dass sich das Virus aus der Lunge schnell in andere Organe ausbreitete», erläutert Kuiken. Normalerweise bleibe eine Grippe bei Säugetieren auf den Atmungstrakt begrenzt. Bei den Katzen aber sei der aggressive Erreger H5N1 in der Leber, im Gehirn, in den Nieren und der Milz zu finden gewesen. «Schnell starben dort massenhaft Zellen, wir sahen ausgedehnte Entzündungen.»

Die kranken Katzen hätten das Virus über Kot, Urin und Speichel ausgeschieden. Auf einem dieser Wege steckten sich auch die gesunden Katzen an. «Wie sie sich genau infizierten, wissen wir nicht», räumt der Virologe ein. «Vielleicht über den Atmungstrakt, direkt über den Speichel oder über die Trinkschüssel.» Auch eine Ansteckung über die Exkremente sei denkbar.

Generell seien die Virusmengen in den Ausscheidungen jedoch geringer gewesen als etwa bei Hühnern. «Das Risiko, dass Katzen H5N1 verbreiten, ist also geringer als bei Hühnern», betont Kuiken. Ob Katzen das Virus auf andere Tiere übertragen können, habe seine Gruppe nicht getestet. «Das Risiko ist sehr gering, aber man kann nicht ausschließen, dass Katzen die Krankheit auf andere Tiere übertragen - inklusive auf Menschen.»

Bei Hunden ist die Beweislage deutlich dünner. Zwar meldeten sich thailändische Medien im Oktober 2004 auf der Internetseite www.promedmail.org der Internationalen Gesellschaft für Infektionskrankheiten aus dem US-amerikanischen Brookline. In ihrer Mitteilung an die Gesellschaft berichteten sie, dass eine Sprecherin des thailändischen Gesundheitsministeriums den ersten Fall einer H5N1-Infektion bei einem Hund bekannt gegeben habe.

Wissenschaftliche Details sind zu diesem Fall bislang allerdings nicht veröffentlicht. Doch bereits in den 60er und 70er Jahren hätten Forscher Vogelgrippe-Antikörper bei Hunden nachgewiesen, betont Kuiken. «Wir können nicht ausschließen, dass auch Hunde sich anstecken können.» (Von Susan Schädlich, dpa)

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