Vogelgrippe : Rumänien schlachtet Geflügel

Nach dem Vogelgrippe-Verdacht hat Rumänien das Massenschlachten von Geflügel am Montag fortgesetzt. Rund 15.000 Tiere müssten in dem Dorf Ceamurlia de Jos noch getötet und entsorgt werden.

Bukarest/Istanbul - Insgesamt seien es in dem Dorf im Süden des Donaudeltas 45.000 betroffene Tiere, meldete der Fernsehsehsender «Realitatea TV». In der Türkei wurden nach dem Vogelgrippe-Alarm tausende Puten in nächtlichen Aktionen mit Gas getötet. Die EU wird den schon geltenden Importstopp für Geflügel aus der Türkei voraussichtlich auf Wildvögel ausweiten. Die Bundesregierung wollte vor einem erweiterten Freilaufverbot für Geflügel Labortests abwarten.

In Ceamurlia war es am Sonntag zu Zwischenfällen zwischen den Einwohnern und Sicherheitskräften gekommen, als diese das gesunde Geflügel einfangen und töten wollten. Bei drei in Ceamurlia verendeten Hausenten waren Antikörper gegen die Vogelrippe festgestellt worden. Mit Testergebnissen, ob es sich um das gefährliche Virus H5N1 handelt, wird erst in einigen Tagen gerechnet.

Alarmierende Meldungen über Vogelsterben gab es erneut aus dem rumänischen Fischerdorf Maliuc, wo seit Tagen immer wieder verendete Schwäne gefunden werden. Auch hier standen Tests zunächst noch aus. Rumänische Behörden haben das gesamte Donaudelta und den Verwaltungskreis Tulcea unter Quarantäne gestellt.

Im Nordwesten der Türkei sollen noch 2600 Puten einer Freilandzucht getötet werden, nachdem bereits in einem ersten Zuchtbetrieb mehr als 1800 Vögel verendet sind oder vernichtet worden waren. Mit Einbruch der Dunkelheit fangen Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums die im Freiland gehaltenen Puten ein. Dann werden die Vögel in einer «Mini-Gaskammer» mit Hilfe von Kohlendioxid getötet und die Kadaver in gekalkten Gruben verscharrt, wie türkische Medien berichteten. Die Behörden vermuten, dass die Krankheit durch Zugvögel aus dem Ural eingeschleppt wurde.

Auch in der Türkei wurde wie zuvor in Rumänien der Virentyp H5 entdeckt. Unklar ist auch dort, ob es sich um das gefährliche Virus H5N1 handelt. In der ganzen Region seien neun Millionen Tiere in der Landwirtschaft bedroht.

EU möchte Importstopp ausweiten

Die EU möchte zusätzlich zum schon geltenden Importstopp für Geflügel aus der Türkei nun auch die Einfuhr von Wildvögeln verbieten. Einen entsprechenden Vorschlag machte die EU-Kommission in Brüssel. Eine Entscheidung der Mitgliedstaaten sei noch im Laufe des Tages zu erwarten, sagte ein Sprecher der Behörde. Für einen Ausbruch der auch für den Menschen gefährlichen Variante der Vogelgrippe in Rumänien gebe es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis, sagte er weiter. Erste Tests seien negativ gewesen.

Das deutsche Agrarministerium bekräftigte, auf einen möglichen Ernstfall eingestellt zu sein. Es gebe einen Notfallplan, mit dem die Freilandhaltung von Geflügel verboten werden könne. Drei Bundesländer hatten bereits Mitte September in bestimmten Regionen entsprechende Verbote verhängt.

Die von der Vogelgrippe in Rumänien und der Türkei ausgehende Gefahr ist nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Institutes (Insel Riems/Mecklenburg-Vorpommern) noch nicht abzuschätzten. Nach Angaben des Institutspräsidenten Thomas Mettenleiter ist der Krankheitsverlauf in Rumänien untypisch für die Vogelgrippe. Hühner, die im gleichen Geflügelbestand wie die verendeten Enten gehalten wurden, seien nicht erkrankt, obwohl Hühner ansonsten bedeutend empfindlicher auf das Virus reagierten als Enten. Die Enten könnten bereits vor längerer Zeit mit einer wenig gefährlichen Variante infiziert worden sein und dagegen Antikörper ausgebildet haben.

Das Risiko einer Infektion des Menschen über die Nahrung halten Experten für sehr gering. Die Viren werden durch Kochen abgetötet. ()

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