Welt : Vom Sturm erobert

Von Polen bis Portugal: Orkane und Regenfälle richten in Europa große Schäden an / Hochwasser in Tschechien

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Madrid/Prag/Venedig (dpa). Winterstürme mit Orkanböen sind in der Nacht zu Freitag über Europa hinweggetobt und haben große Schäden angerichtet. Gleichzeitig ließ Dauerregen in Tschechien die Elbe bedrohlich steigen. Auch in Portugal, Frankreich, Belgien und Großbritannien kämpften die Menschen gegen Überschwemmungen. In Polen herrschte GlatteisChaos. Vielerorts gab es Verletzte.

In Nordböhmen wurde nach dem Anstieg der Elbe Hochwasserwarnung gegeben. In der Stadt Usti nad Labem (Aussig) werde für diesen Samstag ein Pegelstand von etwa sieben Metern erwartet, berichtete der tschechische Rundfunk am Freitag. Normal sind etwa zwei Meter. Die nach starken Regenfällen angeschwollene Elbe, die Richtung Dresden fließt, werde dann teilweise die Straße von der sächsischen Grenze nach Prag überschwemmen. Der Pegelstand in Usti nad Labem hatte während des Sommer-Hochwassers am 16. August 2002 rund 11,90 Meter betragen. Entlang der Moldau in Südböhmen wurde die höchste Stufe der Hochwasserwarnung ausgerufen. Hier drohte der Fluss die Außenbezirke mehrere Wohnorte zu erreichen. Die Evakuierung einiger Viertel wurde vorbereitet. Nach der August-Flut hat das Hydrometeorologische Amt in Prag nun den Aufbau eines neuen Systems zur Wettervorhersage angekündigt. Der deutsche Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte der Zeitschrift „Mobil“: „Der Hochwasserschutz für Dresden findet in Tschechien statt.“

Winterstürme in Orkanstärke lähmten in der Schweiz am Donnerstagabend den Verkehr und führten zu Stromausfällen. Auch in Österreich warf ein Föhnsturm Bäume um. Bahnstrecken waren zeitweise unpassierbar. In Frankreich verursachten orkanartige Sturmböen und Regenfälle vor allem im Osten, aber auch im Norden und in den Alpenregionen erhebliche Schäden. Nach Angaben der Behörden vom Freitag wurde in Haut-Savoie nahe der Schweizer Grenze einer der drei Insassen eines Autos, auf das ein Baum stürzte, schwer verletzt. 278 000 Haushalte waren vorübergehend ohne Strom. Nach Angaben des französischen Wetterdienstes fegte der Sturm am Donnerstag mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern in der Stunde über das Land hinweg. Allein im Elsass musste die Feuerwehr über 800 Mal ausrücken, um Straßen von entwurzelten Bäumen, umgeknickten Verkehrsschildern und Dachziegeln zu räumen. Dagegen kämpfte die Feuerwehr im Norden Frankreichs gegen die Folgen von Überschwemmungen und musste zahlreiche Keller auspumpen.

Heftige Unwetter haben auch im Norden Portugals und Spaniens Überschwemmungen ausgelöst und schwere Schäden verursacht. In Armamar östlich von Porto rissen die Wassermassen nach Rundfunkmeldungen vom Freitag ein etwa 50 Meter langes Stück einer Nationalstraße fort. Besonders betroffen war die Gegend um das Weinbaustädtchen Régua, wo Straßen und Keller unter Wasser standen. Die Situation wurde dadurch verschlimmert, dass der nahe gelegene Bagauste-Staudamm große Mengen Wasser ablassen musste. Auf spanischer Seite führte ein Erdrutsch bei León zur Entgleisung eines Zuges mit fast 500 Passagieren. Es sei aber niemand verletzt worden, teilten die Behörden mit. Auch in Belgien haben starke Regenfälle Flüsse über die Ufer treten lassen. Nach Angaben der Behörden vom Freitag waren besonders die südlichen Provinzen Namur und Luxemburg betroffen. Die Hilfskräfte versuchten insbesondere, den Fluten der Ourthe in den Ardennen mit Dämmen aus Sandsäcken Herr zu werden. Die Feuerwehr holte mehrere Dutzend Bewohner aus ihren überfluteten Häusern.

Seit Silvester herrscht in Venedig fast ununterbrochen „acqua alta“. Die Stadt erlebt in diesem Winter die bisher schlimmste Hochwasser-Serie der Geschichte. Seit Herbst hat der Wasserstand 108 Mal zumindest 80 Zentimeter über dem Normalpegel gelegen. In England zeichnete sich am Freitag eine leichte Entspannung der Hochwasserlage ab. „Wir sind einer großen Flut um ein Haar entgangen“, sagte der Sprecher einer Umweltbehörde.

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