Welt : Vom Winde verwehrt

Extrem-Fallschirmspringer Baumgartner kann wieder nicht starten – jetzt hat er nur noch einen Versuch.

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Wenige Minuten vor dem geplanten Start ist am Dienstag der geplante Weltrekord-Fallschirmsprung des Extremsportlers Felix Baumgartner aus 36,5 Kilometern Höhe vorerst am Wetter gescheitert. Ein neuer Versuch kann voraussichtlich erst am Donnerstag erfolgen.

Zum zweiten Mal hatte alle Welt auf die Kleinstadt Rosel im Südosten des US-Bundesstaates New Mexico geblickt. Nach dem vermeintlichen Absturz einer „Fliegenden Untertasse“ im Jahr 1947, bei dem es sich nach offiziellen Angaben um einen Wetterballon handelte, sorgte der heute 50 000 Einwohner zählende Ort schon einmal für Schlagzeilen. Und profitiert davon nicht schlecht, jährlich gibt es ein Ufo-Festival, zu dessen Highlights eine „Jagd“ auf Aliens und ein Kostümwettbewerb für „Außerirdische“ zählen. Werbespruch der Stadt, aus der der verstorbene Countrysänger John Denver und die Schauspielerin Demi Moore stammen: „A great Place tot Crash“ (ein großartiger Platz, um abzustürzen).

Vielleicht steht die Baumgartner-Mission deshalb unter einem schlechten Stern, hätte sich der 43jährigen Österreicher einen anderen Startort suchen sollen. Für sechs Uhr früh (14 Uhr MESZ) war sein Start ursprünglich geplant. In einer Druckkapsel sollte der von einem Energie-Drink-Hersteller gesponserte Extremsportler vom Gasballon „Red Bull Stratos“ in die Stratosphäre gehoben werden. Dort wollte er in einem speziell angefertigten Schutzanzug abspringen, im freien Fall Schallgeschwindigkeit (1100 km/h) erreichen, nach fünfeinhalb Minuten die Reißleine ziehen und dann am Fallschirm sicher zu Boden gleiten.

Der Ballon, unter dem die Kapsel hängt, hat eine Höhe von 168 Metern und ist besonders anfällig gegen Seitenwind. Der war zwar am Boden gering, erreichte aber 200 Meter darüber teilweise Werte von mehr als 30 Stundenkilometern. Damit bestand die Gefahr, dass er zur Seite gedrückt wird und die Kapsel mit Baumgartner in ein bedrohliches Trudeln gerät. Daraufhin wurde der Countdown mehrfach unterbrochen.

Dennoch schien zunächst alles nur eine Frage von Stunden zu sein. Gegen 11 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ) bestünde ein optimales Startfenster, hieß es schließlich. Baumgartner zog seine Spezialkleidung an, die dem Anzug von Astronauten beim Weltraumspaziergang ähnelt, und bekam reinen Sauerstoff zu atmen, um die Stickstoffwerte in seinem Blut abzubauen. Ein Schutz vor den körperlichen Auswirkungen der extremen Druckunterschiede beim freien Fall von der Stratos- in die Atmosphäre.

Zum Start war auch die Familie von Baumgartner – Mutter Eva und Bruder Gerald – angereist. Österreichische Medien spekulierten, dass der Extremsportler seiner Freundin Niki vor dem Start noch einen Heiratsantrag machen könnte. Davon war allerdings keine Rede, als er vom Ausleger eines Hubkrans in die enge Kapsel kletterte und festgeschnallt wurde. Dann aber stellte sich heraus, dass eines der beiden Funksysteme nicht funktionierte. Bei einer Außentemperatur von rund 23 Grad Celsius begann Baumgartner zudem in seinem Schutzanzug zu schwitzen. Mit einem Schlauch wurde daraufhin auch nach dem Verschließen der Kapseltür Frischluft eingeleitet.

Weil man den sicheren Zeitpunkt abwarten wollte, begann die Überfüllung der 850 000 Kubikmeter fassenden Ballonhülle wohl zu spät. Die Fernsehbilder der Liveübertragung zeigten, wie die zum Teil gefüllte Ballonhülle vom erneut auf flauenden Wind immer wieder zur Seite gedrückt wurde. „Wir müssen abbrechen“, hieß es um 19 Uhr 42 MESZ. In den Großaufnahmen ist in Baumgartners Gesicht die Enttäuschung abzulesen. Wenige Minuten später, nachdem Helfer die Tür wieder geöffnet haben, klappt er das Visier des Helms seines Raumanzuges auf und kehrt vorerst auf festen Boden zurück. Für einen erneuten Start ist der empfindliche Ballon nicht geeignet. Da nur noch eine Ersatzhülle zur Verfügung steht, bleibt vorerst nur ein erneuter Versuch.

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