Welt : Von Casanova gelernt

Thomas Migge

Giacomo Casanova wusste es schon lange. In seinen im hohem Alter verfassten "Erinnerungen" zog er das Resümee seines Lebens. Dabei reflektierte er den Umstand, dass viele der Ehen von Frauen, die er in seinem langen Loverleben verführt hatte, nur deshalb nicht zu Bruch gegangen seien, weil die Madames, Miss, Fräuleins und Signore den Seitensprung für sich behalten hätten. Das richtige Verschweigen im richtigen Moment, so Casanova, verhindere das Schlimmste. Das italienische Sozialforschungsinstitut IPSOS in Mailand wollte feststellen, ob Casanovas Urteil auch heute noch gilt. 90 Prozent der Befragten gaben an, dass bewusstes und gezieltes Lügen oder Verschweigen Streit und seine Folgen verhindert. Als schlimmste Folge vor allem eine Scheidung. Es sind aber nicht, wie man zunächst erwartet hatte, vor allem die sexuellen Fehltritte, die am häufigsten verschwiegen werden. 48 Prozent der Befragten gaben an, dass es besser sei, eine teure Anschaffung so lange wie möglich zu verschweigen. Am besten sei es deshalb, immer auch ein ganz persönliches Girokonto zu führen, um peinlichen Nachfragen des Ehepartners bei grossen Ausgaben für Dritte aus dem Weg zu gehen. 18 Prozent der Eheleute versuchen schlechte Noten oder ein Fehlverhalten der Kinder dem Gatten oder der Gattin gegenüber vorzuenthalten. 20 Prozent aller befragten Männer gaben an, dass es eheförderlich sei, Probleme am Arbeitsplatz nicht zu Hause zu erzählen. 62 Prozent der Frauen sagen, dass sie das Fremdgehen besser für sich behalten. Bei den Männern hingegen liegt der Wert nur bei 52 Prozent.

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