Welt : Von den Fluten verschluckt

Bei einem schweren Unwetter ist in Indonesien eine Fähre gesunken. Mehr als 500 Menschen werden vermisst

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Jakarta - Nach einem schweren Fährunglück in Indonesien werden mehr als 500 Menschen vermisst. Die Fähre „Senopati Nusantara“ kenterte am Samstag gegen Mitternacht in einem Sturm vor der Küste der Insel Java, wie die Behörden mitteilten. Das Schiff war mit rund 600 Menschen an Bord unterwegs von der Hafenstadt Kumai auf Borneo in Richtung Semarang auf Java. Zunächst konnten nur etwa 60 Menschen gerettet werden.

Wegen schlechten Wetters und meterhoher Wellen mussten die Sucharbeiten unterbrochen werden. Vom Wrack fehlte vorerst jede Spur.

Etwa eine Stunde vor Mitternacht sei der Funkkontakt zu der Fähre abgebrochen, teilte ein Hafensprecher der Provinz Kalimantan mit. Das Schiff sei etwa 30 Kilometer südöstlich der Insel Mandalika gesunken. Ein Sprecher in Semarang sagte, wegen der schweren See seien zwei ausgesandte Rettungsboote zunächst wieder in den Hafen zurückgerufen worden. Die Wellen hätten sich bis zu vier Meter hoch aufgetürmt. Den Angaben zufolge wurden zwei Rettungsboote von der Fähre gefunden, davon war eines leer.

Verkehrsminister Hatta Radjasa bestätigte, dass die Rettungsarbeiten von dem stürmischen Wetter behindert wurden. Die Suche solle am Abend fortgesetzt werden, sagte er bei einem Besuch in Semarang. Zugleich betonte der Minister laut der Nachrichtenagentur Antara, die Hafenbehörden dürften bei schlechten Wetterbedingungen keine Fahrerlaubnis erteilen.

Marineschiffe und Hubschrauber fanden einige wenige Überlebende auf der nahe gelegenen Insel Bawean, wie der Radiosender El Shinta berichtete. Einer der Überlebenden sagte dem Sender, als die Fähre in der Nacht von wilden Wellen hin und her gerissen worden sei, sei Panik ausgebrochen. Die Passagiere hätten gegen 23 Uhr Ortszeit die Anweisung erhalten, Rettungswesten überzuziehen, sagte der Mann. Plötzlich sei die Fähre „wie in zwei Teile gebrochen“. „Wir wurden alle plötzlich ins Wasser geworfen.“ Er habe sich an ein Floß geklammert und sei erst gegen 6 Uhr morgens von einem Fischerboot gerettet worden, fügte der Überlebende hinzu, dessen 18-jährige Tochter zu den Vermissten zählte.

Laut Behördenangaben waren etwa 545 Passagiere sowie knapp 60 Crewmitglieder an Bord des Unglücksschiffs. Indonesische Fähren transportieren jedoch häufig mehr Passagiere als erlaubt oder offiziell registriert. Immer wieder kommt es zu schweren Unglücken.

Erst am Donnerstag war ein Schiff zwischen den Inseln Sumatra und Bangka gesunken. Dabei kam mindestens ein Mensch ums Leben, mehr als 20 Passagiere wurden noch vermisst. Fährverbindungen sind ein wesentliches Verkehrsmittel zwischen den mehr als 17 000 Inseln Indonesiens. AFP

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