Welt : Von Seelen, Tränen und der großen Liebe

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Die Schwaben hielten Sternschnuppen für verirrte Sterne, die wieder an ihren Platz zurückfliegen, während die Oberpfälzer der Ansicht waren, Sternschnuppen seien die Dochte, die auf die Erde fallen, wenn die Engel die Sterne putzen.

Anderswo dachte man dagegen, die Himmelserscheinungen seien die Seelen längst Verstorbener oder die Tränen des Mondes.

VERHEIRATET

Während im Allgemeinen jede ungewöhnliche Himmelserscheinung – sei es nun eine Mond- oder Sonnenfinsternis oder ein Komet – mit Unbehagen betrachtet wurde, galten Sternschnuppen als positives Omen. Noch heute weiß jedes Kind, dass man sich beim Anblick einer Sternschnuppe etwas wünschen kann. In Italien versuchten Ledige während klarer Nächte eine Sternschnuppe zu sichten und dabei ganz fest ans Heiraten zu denken – weil sie dann sicher sein konnten, dass im kommenden Jahr ihr Warten ein Ende haben würde.

VERSPONNEN

Besonders furchtsame Gemüter hielten es allerdings für angebracht, beim Anblick einer Sternschnuppe rasch ein Gebet zu sprechen, das sowohl der Abwehr von üblen Folgen für Leib und Seele als auch dem Schutz vor einer Feuerbrunst gelten konnte. Von einem Bauern aus Minden ist überliefert, dass er sich, wenn er einer Sternschnuppe ansichtig wurde, ins Haar griff und schnell sagte: „Heerbrand stoh (Sternschnuppe steh/warte)! Seo vil Hoore, seo vil Johre.“

Ditte und Giovanni Bandini: „Kleines Lexikon des Aberglaubens“, Deutscher Taschenbuch Verlag

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