Vor dem Formel-1-Rennen : Erster Toter bei Protesten in Bahrain

Bei Protesten am Rande des Formel-1-Rennens in Bahrain ist es in der Nacht zu Samstag zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Dabei starb ein Mensch. Im vergangenen Jahr war das Rennen wegen ähnlicher Vorfälle abgesagt worden.

Sicherheitskräfte in Bahrain gehen gegen Demonstranten vor.
Sicherheitskräfte in Bahrain gehen gegen Demonstranten vor.Foto: dpa

Vor dem umstrittenen Formel-1-Rennen in Bahrain hat es in der Nacht zum Samstag gewaltsame Zusammenstöße zwischen regierungskritischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Regierungsgegner berichteten, an einem der Orte der nächtlichen Proteste sei die Leiche eines Mannes gefunden worden. In der Nähe der Rennstrecke riefen Demonstranten Parolen gegen das sunnitische Königshaus und für einen inhaftierten Oppositionellen.
Bereitschaftspolizisten gingen mit Tränengas und Lärmbomben gegen die Regierungsgegner vor, von denen einige Autoreifen anzündeten sowie Brandflaschen und Steine warfen. Trotz der dramatischen Menschenrechtssituation in Bahrain fand in dem Golfstaat am Nachmittag das Qualifying für den Grand Prix der Formel 1 statt. Das eigentliche Rennen, für das sich Weltmeister Sebastian Vettel die Pole Position sicherte, startet am Sonntag um 14.00 Uhr MESZ.

Im vergangenen Jahr war der Wettbewerb abgesagt worden, nachdem bei der harten Niederschlagung von Protesten der schiitischen Bevölkerungsmehrheit mit Unterstützung Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate zahlreiche Menschen getötet worden waren. Menschenrechtsgruppen und Gegner der Herrscherdynastie des bahrainischen Königs Hamad bin Issa al-khalifa fordern ein Ende der Repression, die Freilassung der politischen Gefangenen und einen ernsthaften Dialog mit der Opposition.

Demonstranten vor dem Hauptquartier der Formel 1 in London.
Demonstranten vor dem Hauptquartier der Formel 1 in London.Foto: dapd

Zu dem am Morgen aufgefundenen Toten erklärte die wichtigste schiitische Oppositionsbewegung Al-Wefak, es handele sich um den „Märtyrer Salah Abbas Habib“. Er sei in der Nähe eines Bauernhofs im schiitischen Dorf Schakura westlich der Hauptstadt Manama gefunden worden. Dort habe eine Demonstration stattgefunden, gegen die die Sicherheitskräfte mit aller Härte vorgegangen seien.

Der dänisch-bahrainische Menschenrechtsaktivist Abdulhadi al-Chawaja, für den sich die Demonstranten einsetzten, befindet sich seit mehr als zwei Monaten im Hungerstreik. Der schiitische Oppositionelle war im Frühjahr 2011 festgenommen worden und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Markus Löning (FDP), hatte erklärt, al-Chawajas Gesundheitszustand sei „sehr kritisch“, und die bahrainische Regierung müsse „dringend eine humanitäre Lösung“ für ihn finden.

In einem Gespräch mit AFP hatte Löning die Freilassung hunderter Gefangener in Bahrain gefordert. Der Menschenrechtsbeauftragte nannte es einen „unhaltbaren Zustand“, dass die schiitische Bevölkerungsmehrheit Bahrains „nicht zu ihren Rechten“ komme. Auch die Organisation Amnesty International kritisierte vor dem Formel-1-Rennen anhaltende Menschenrechtsverletzungen in dem Golfstaat. (AFP)

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