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Vor Kamtschatka : Mindestens 54 Tote bei Untergang eines russischen Fischtrawlers

Beim Untergang eines russischen Fischtrawlers vor der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka sind mindestens 54 Menschen ums Leben gekommen. An Bord waren 132 Besatzungsmitglieder. Angela Merkel drückte in einem Schreiben an Wladimir Putin den Angehörigen der Opfer ihr "aufrichtiges Mitgefühl" aus.

Ein Archivbild der "Dalni Wostok".
Ein Archivbild der "Dalni Wostok".Foto: dpa

Bei einem schweren Schiffsunglück im Osten Russlands sind mindestens 56 Menschen ums Leben gekommen. Nach der Havarie des Fischtrawlers "Dalni Wostok" in der Nacht zum Donnerstag wurden nach Behördenangaben 63 Menschen aus dem eisigen Ochotskischen Meer gerettet. An Bord des Schiffes waren 132 Menschen. Nach 13 Vermissten wurde weiter fieberhaft gesucht.

Das Schiff sank den Angaben zufolge vor der Halbinsel Kamtschatka, rund 250 Kilometer von der Stadt Magadan entfernt. Die Unglücksursache war zunächst unklar. In russischen Medien wurde die Möglichkeit diskutiert, dass das 104 Meter lange Schiff Eisblöcke gerammt haben könnte.

In einer Erklärung der Ermittler war von einer "möglichen Kollision mit einem Hindernis" als wahrscheinlichster Unglücksursache die Rede. Dabei sei offenbar der "Schiffsrumpf nahe dem Maschinenraum beschädigt" worden. Das Schiff sei "schnell" gesunken. Das Meer war zum Zeitpunkt des Unglücks relativ ruhig, die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt.

Ein Verantwortlicher der Rettungseinsätze sagte der Nachrichtenagentur Tass, dass 78 Russen auf dem Trawler gewesen seien. Demnach waren auch mindestens 40 Seefahrer aus Myanmar sowie weitere Passagiere aus Litauen, der Ukraine und aus Vanuatu an Bord.

Beispiellose Rettungsaktion der Region

Die Nationalität der Toten war zunächst unklar. Neun der Geretteten schwebten in Lebensgefahr, weitere waren laut der Sprecherin des regionalen Katastrophenschutzministeriums bewusstlos oder standen unter Schock.
Die Katastrophe löste eine beispiellose Rettungsaktion in der Region aus: Den rund 1300 Helfern, 26 Schiffe und einem Hubschrauber sei es gelungen, 63 Schiffbrüchige zu retten, teilten die Behörden mit. Für die 13 Vermissten bestand wegen der eisigen Wassertemperaturen kaum Hoffnung auf Rettung. Rund 105 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt wurden zwei Rettungsboote entdeckt, die Behörden konnten jedoch laut Tass keine Angaben dazu machen, ob Überlebende an Bord waren.

Das 5700-Tonnen-Schiff "Dalni Wostok" ist ein Schiff zur industriellen Hochseefischerei. Es ist mit Gefrierkammern ausgestattet und kann monatelang auf Fang ausfahren, ohne einen Hafen ansteuern zu müssen. Zur Unglücksfahrt war das 26 Jahre alte Schiff am 3. Januar vom Hafen Wladiwostok ausgelaufen.
Der Leiter des Zentrums für Untersuchungen von Schiffsunfällen, Pjotr Ossitschanski, sagte der Nachrichtenagentur RIA Nowosti, dieser Schiffstyp sei "sehr verlässlich und robust". Allein eine Kollision oder eine Überladung

könnten solch ein Schiff kaum untergehen lassen, er gehe daher von mehreren Faktoren aus, die bei dem Unfall zusammengekommen sein müssten. Präsident Wladimir Putin werde ständig über die Rettungsaktion auf dem Laufenden gehalten, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in einem Kondolenzschreiben an Putin den Angehörigen der Opfer ihr "aufrichtiges Mitgefühl" aus.

Viele Monate vereistes Nebelgewässer

Die Halbinsel Kamtschatka und die zwischen Moskau und Tokio teilweise umstrittenen Kurilen-Inseln trennen das Ochotskische Meer an Russlands Ostküste vom übrigen Pazifik. Mit einer Fläche von 1,5 Millionen Quadratkilometern ist es größer als Nordsee und Ostsee zusammen. Das jährlich viele Monate vereiste und nebelreiche Gewässer wird oft von Stürmen heimgesucht.

Für die Menschen ist die Fischerei im Ochotskischen Meer neben der Förderung von Bodenschätzen wie Kohle und Gold an seinen Küsten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Bis zum Ende der Sowjetunion war die Region ein streng abgeschottetes militärisches Sperrgebiet. Mit der Öffnung der Pazifikküste entwickelte sich dort seit den 1990er Jahren auch ein begrenzter Tourismus.

Besonders das wegen seiner vielen aktiven Vulkane „Land aus Feuer und Eis“ genannte Kamtschatka lockt Abenteuertouristen aus dem Westen an. Eine einzigartige Landschaft und der Wildreichtum - Kamtschatka hat mit mehr als 12 000 Tieren die größte Braunbärenpopulation der Welt - brachten die Halbinsel auf die Unesco-Liste des Weltnaturerbes. (dpa, AFP)

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