Welt : Vorgelesen: Hellmuth Karasek über John Updikes Rabbit-Tetralogie

Der heute 69-jährige John Updike ist der herausragende Chronist des amerikanischen Mittelstandes im ausgehenden 20. Jahrhundert, der Chronist des Spießers, Geschäftsmannes, Ehemannes und Familienvaters in den Suburbs, auch der Chronist der Frauen, die diese Männer bestimmen, von denen sie ernährt, frustriert und betrogen werden. Er beschreibt diese die USA als schweigende Mehrheit prägende Schicht, deren Banalität ihr Schicksal (und damit das Schicksal der westlichen Welt) ist, von innen, also Anteil nehmend, verständnisvoll, mitfühlend, und gleichzeitig von außen, also sarkastisch, ironisch, mit Abstand durchschauend.

John Updikes Protagonist Rabbit (im Deutschen: Hasenherz) ist der US-Jedermann in postmodernen, ergo eigentlich leitlosen Zeiten. Neben dem Sittengemälde "Couples" (Ehepaare) von 1968 sind daher das Beste, was Updike jemals geschrieben hat, die bei Rowohlt in Hamburg erschienenen Rabbit-Tetralogie: "Hasenherz" aus dem Jahr 1960, "Unter dem Astronautenmond" von 1971, "Bessere Verhältnisse" von 1981 und "Rabbit in Ruhe" von 1990. Sie spiegelnKrise, Aufstieg und Niedergang des WASP - des White-Anglo-Saxon-Protestant.

Vor allem das Ende "Rabbit in Rest", das im sonnigen US-Altersheim Florida beginnt, im häuslichen Pennsylvania sich fortsetzt, bei einer makabren Heimreise und im Tod endet: "Weißt du", sagt Rabbit zu seinem Sohn Nelson im Sterben, "ich kann dir nur sagen, es ist nicht so schlimm." Banal genug für das Lebensende, bei dem sich der Held noch einmal zu seiner ganzen heroisch traurigen Scheußlichkeit aufbäumt, indem er seine Schwiegertochter verführt. War es so, das amerikanische, das 20. Jahrhundert?

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