Welt : Vorsicht, zerbrechlich

Die Polizei warnt vor dem Betreten der Eisflächen – „Polizeiruf 110“-Produzent Wilkening starb, nachdem er in einen Tümpel einbrach

Christian van Lessen

Der Tod des Babelsberger Film- und Fernsehproduzenten Thomas Wilkening hat die Gefahr trügerischer Eisflächen deutlich gemacht. Der 48-jährige Produzent von „Polizeiruf 110“ und des Erfolgsfilms „Gripsholm“ war in der Nacht zum Freitag in einen gefrorenen Tümpel auf Hiddensee eingebrochen. Mit seinem Handy hatte er noch die Polizei alarmieren und seine Notlage schildern können. Doch gelang die Rettung nicht, weil seine Angaben über die Lage des Tümpels zu ungenau waren. Unklar war zunächst, ob Wilkening, der von einer Feier nach Hause unterwegs war und sich offenbar verirrte, erfroren oder ertrunken ist.

Die Polizei, auch in Berlin und Brandenburg, machte auf die drohenden Eis-Gefahren in Deutschland aufmerksam. Sie warnte „generell“ davor, Eisflächen zu betreten, so sicher sie auch aussehen mögen. „Wir mussten gerade wieder Kinder vom Eis holen“, berichtet am Sonnabend Andreas Meyer von der Wasserschutzpolizei Berlin. Trotz aller Warnungen tummelten sich immer wieder Kinder und Erwachsene auf dem zugefrorenen Großen Müggelsee. Die Eisdecke ist trügerisch, reicht von zehn Zentimetern, was auch schon recht dünn ist, bis zu vier Zentimetern. Auf dem Schlachtensee wurden gestern ganze Familien, sogar mit Kinderwagen, beobachtet. Dagmar Spielmann von der zuständigen Wache sagt, man warne zwar ständig, aber viele Leute beachteten das gar nicht. Das sei alles „sehr unverantwortlich“. Oft müssten sich die Polizisten sagen lassen: „Was wollen Sie, andere Leute sind doch auch auf dem Eis.“ Mehr als appellieren können die Polizisten nicht. Es gibt nach Auskunft der Beamten keine rechtliche Handhabe, etwa als Ordnungswidrigkeit, die Eisgänger und -läufer zur Vernunft zu bringen.Dabei sind die Gefahren offensichtlich. Auf den Grunewaldseen gibt es, schon mit bloßem Auge sichtbar, ganz unterschiedlich dicke Eisschichten, sogar eisfreie Flächen. „Gewässer ist eben nicht Gewässer“, heißt es bei der Wasserschutzpolizei.

Durch unterschiedliche Sonnenstrahlung, auch durch Einlässe oder unterirdische Faulgase, könnten sich Gewässer stellenweise erwärmen. Die Havel ist auf der Wannsee-Seite zugefroren, während gegenüber, am Spandauer Ufer, alles frei ist. Deshalb musste die BVG-Fährverbindung zwischen Kladow und Wannsee eingestellt werden, was viele Kladower BVG-Kunden in den letzten Tagen anfangs nicht verstehen konnten. Die Polizei sieht jedenfalls keinen Anlass, sich mit Warnungen zurückzuhalten, auch wenn die Eisschicht vielleicht noch dicker werden könnte. Die Eisflächen werden ohnehin generell nicht freigegeben wie noch vor einigen Jahren üblich. Zu trügerisch und unterschiedlich sind die Schichten in den Gewässern.

Selbst beim Prüfen der Eisdecke wird so manchem Polizisten mulmig. „Die Kollegen wagen sich todesmutig aufs Eis“, sagt Andreas Meyer. Um auf das Schlimmste vorbereitet zu sein, ziehen sie dabei Rettungsanzüge an, sind mit Leinen gesichert, wenn sie das Eis mit einem Pickel aufgeschlagen. Das Loch muss dann gekennzeichnet werden, wie dies auch für Eisangler vorgeschrieben ist. Die Messergebnisse sollen möglichst nur intern verwendet werden, um sich, wie Dagmar Spielmann sagt, „ein Lagebild zu verschaffen“. Eine Veröffentlichung könnte die Bevölkerung in trügerischer Sicherheit wiegen, heißt es bei der Wasserschutzpolizei. Viele Eisgänger glauben auch, in Ufernähe sei das Risiko geringer. Ein Trugschluss.

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