Welt : „Vorurteile abbauen“

Foto: Frederika Hoffmann
Foto: Frederika HoffmannFoto: Frederika Hoffmann, Hamburg

Hajrullah Sertolli hat 2008 am ersten Schülercampus in Hamburg teilgenommen. Geboren wurde er im Kosovo, seit seinem zweiten Lebensjahr wohnt er mit seiner Familie in Deutschland. Im Sommer 2010 hat er sein Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium in Hamburg gemacht. Jetzt studiert der 21-Jährige im ersten Semester Sozialwissenschaften und Islamwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und wartet auf einen Lehramtsstudienplatz.

Herr Sertolli, warum braucht Deutschland mehr Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund?

Wenn man sich die Klassenräume anschaut, dann sieht man, dass im Laufe der Zeit der Anteil der Migrantenkinder zugenommen hat – dieser Trend spiegelt sich aber nicht im Lehrerzimmer wider. Ich denke, es würde eine neue, bessere Lernatmosphäre entstehen, wenn mehr Migranten Lehrer würden. Sie wären auch ein Vorbild für Kinder mit Migrationshintergrund und der Beweis, dass man tatsächlich etwas erreichen kann.

Wieso, glauben Sie, sind Migranten bisher als Lehrer unterrepräsentiert?

Ich denke, es gibt Vorurteile unter den Migranten, dass sie im Lehrerberuf nicht so gern gesehen sind – eben weil es so wenige Lehrer mit Migrationshintergrund gibt. Gerade bei muslimischen Studentinnen ist die Hürde noch höher, besonders wenn sie ein Kopftuch tragen und fürchten, ihre Religion nicht mit dem Beruf vereinbaren zu können. Außerdem ist es so, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund – wenn Sie schon studieren – Arzt, Ingenieur oder Anwalt werden wollen, sie wollen zu den Top-Verdienern gehören.

Was haben Sie während des Schülercampus dazu gelernt?

Ich habe an Gesprächen und Diskussionen teilgenommen mit Migranten, die schon auf Lehramt studieren. Ich habe Schulen besucht und in den Unterricht hineingeschnuppert. Es gab außerdem Informationen über den Verlauf des Lehramtsstudiengangs. Der Schülercampus hat einige Vorurteile abgebaut, etwa das einer schlechten Bezahlung und das der mangelnden Aufstiegsmöglichkeiten für Lehrer.

Dennoch haben Sie sich für einen anderen Studiengang entschieden – warum?

Mein Abi-Schnitt reichte leider nicht aus, um auf Lehramt zu studieren. Das möchte ich aber nach wie vor. Während der Wartezeit auf einen Lehramtsstudienplatz sammle ich mit den Lehrveranstaltungen in den Sozialwissenschaften schon einmal Punkte für den Wechsel. Langfristig sehe ich mich auf jeden Fall als Lehrer für Deutsch und Sozialkunde – das war immer meine erste Wahl.

Die Fragen stellte Sabrina Wendling

Hajrullah Sertolli lebt seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland. Er will Lehrer werden. Derzeit studiert er Sozialwissenschaften und wartet auf einen Lehramtsstudienplatz.

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