Welt : Vorwürfe in den Mund gelegt

Freisprüche im Mainzer Kindesmißbrauchsprozeß Mainz (rtr).In dem bundesweit bisher größten Prozeß um Kindesmißbrauch hat das Mainzer Landgericht die ersten sechs Angeklagten aus Mangel an Beweisen freigesprochen.Für eine Verurteilung der vier Männer und zwei Frauen hätten die Aussagen der Kinder nicht ausgereicht, sagte der Vorsitzende Richter, Jens Beutel, in seiner Urteilsbegründung am Freitag.Er rügte insbesondere die suggestive Art der Befragung der acht Kinder.Dennoch bestehe kein Zweifel daran, daß die Mehrheit der Kinder sexuell mißbraucht worden sei.Gegen das Urteil will die Staastanwaltschaft Revision einlegen. In dem Verfahren um den mutmaßlichen Kindesmißbrauch von Worms sind insgesamt 13 Männer und elf Frauen angeklagt.Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollen sie 16 eigene oder mit ihnen verwandte Kinder 1993 über Monate hinweg sexuell mißbraucht haben.Ursprünglich waren weit über 100 Mißbrauchsfälle angeklagt worden.Im ersten der insgesamt drei Prozesse hatte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen zwischen acht und 14 Jahren gefordert.Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Richter Beutel sagte, den Kindern seien die schweren Vorwürfe gegen Eltern, Tanten, Onkel und Großeltern durch den Verein gegen sexuelle Gewalt "Wildwasser" praktisch in den Mund gelegt worden.Sie hätten bei ihrer Befragung offensichtlich etwas anderes verstanden als gemeint gewesen sei."Sämtliche Erstaussagen der Kinder sind nahezu nutzlos", weil sie zudem in Gegenwart anderer Kinder Vorhaltungen gemacht bekommen hätten. In einzelnen Fällen bestehe kein Zweifel daran, daß Kinder mißbraucht worden seien, sagte Beutel.Das ergebe sich aus Spielszenen, in denen die Kinder mit Puppen bestimmte Situationen nachgestellt hätten.Die Taten hätten aber nicht eindeutig bestimmten Angeklagten in diesem Verfahren zugeordnet werden können. Die Haftbefehle gegen die Angeklagten waren bereits Anfang 1996 aufgehoben worden.Sie erhalten für die Dauer der Untersuchungshaft eine Entschädigung bezahlt, deren Höhe noch festgelegt werden muß.

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