Vorwurf der Steuerhinterziehung : Ex-Agent Werner Mauss schweigt vor Gericht

Werner Mauss war jahrzehntelang als Geheimagent für die Bundesregierung tätig. Nun muss sich der 76-Jährige in Bochum vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung.

Clara Lipkowski
Erschien mit Daunenjacke und Kapuze im Gerichtssaal: Ex-Agent Werner Mauss
Erschien mit Daunenjacke und Kapuze im Gerichtssaal: Ex-Agent Werner MaussFoto: Ina Fassbender/dpa

Lange Zeit existierte kein Foto von ihm, dafür aber kursierten umso mehr Tarnnamen und legendäre Gerüchte über sein Wirken. Der ehemalige Geheimagent Werner Mauss alias Claus Möllner alias Dieter Koch alias Richard Nelson war jahrzehntelang für die Bundesregierung in geheimen Missionen im Einsatz. Er soll geholfen haben, gegen Drogenkartelle, Rebellen und Terroristen anzugehen, jetzt hat er einen neuen Gegner: die deutsche Steuerfahndung.

Seit Montag steht der ehemalige Top- Agent als Angeklagter vor Gericht. In einem dunklen Parka mit schützender Kapuze erschien der 76-Jährige zum Auftakt des Steuerstrafprozesses vor dem Bochumer Landgericht. Der Vorwurf: Mauss soll zwischen 2002 und 2013 rund 15 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. Bei einer Verurteilung droht ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Mauss’ Anwälte bestreiten den Vorwurf. Ihr Mandant habe seine Einnahmen stets ordnungsgemäß versteuert. Der Ex-Agent äußerte sich zunächst nicht und saß am Montag schweigend auf der Anklagebank. Seine Anwälte hätten bei Vorgesprächen darauf verwiesen, dass Mauss einer Geheimhaltungspflicht unterliege, sagte Richter Markus van den Hövel. Diese Frage sei aber noch nicht abschließend geklärt, betonte Rechtsanwalt Hamm am ersten Verhandlungstag.

Dass das Geld existiert bestreitet Mauss nicht

Konkret geht es im Prozess um ein Vermögen auf einem luxemburgischen Konto, das von Mauss geführt, aber nicht beim Finanzamt deklariert worden war. Er bestreitet nicht, dass das Konto existiert, argumentiert aber, das Geld auf den Konten gehöre nicht ihm, er habe es lediglich verwaltet und sei als Treuhänder in Erscheinung getreten. Demzufolge hätte er das Vermögen gar nicht versteuern müssen. Wem das Geld tatsächlich gehört, muss nun das Gericht klären. Mauss hatte angegeben, Auftraggeber hätten ihm das Vermögen für „humanitäre Zwecke“ bereitgestellt – um Auftragsarbeiten im Kampf gegen Terror und Verbrechen ausführen zu können. Namen könne er aber aus Gründen der Geheimhaltung nicht preisgeben, angeblich sollen der israelische Staat und der Vatikan involviert sein.

Werner Mauss’ Geschichte ist nicht nur vor Gericht kurios, auch sein Werdegang ist es: Lange bevor er Deutschlands legendärster Geheimagent wurde, sollte der gebürtige Essener eigentlich den familieneigenen Landwirtschaftsbetrieb übernehmen. Er entschied sich dagegen, arbeitete als Staubsaugervertreter, Hilfsjournalist und Pilot. Nach einer Umschulung zum Kriminalsachverständigen gründete er eine Detektei und machte sich bald einen Namen als Geheimermittler. So sehr, dass ihn die Bundesregierung Mitte der sechziger Jahre zum ersten Undercoveragenten machte und bis zur Jahrtausendwende beschäftigte.

Einmal wurde es für Mauss selbst brenzlig

Er war nach eigenen Angaben lange für den Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt tätig. Als „deutscher James Bond“ soll er an der Festnahme des mutmaßlichen RAF-Terroristen Rolf Pohle in Athen beteiligt gewesen sein, Hisbollah- Geiseln im Libanon befreit und ein Giftattentat auf Papst Benedikt XVI. verhindert haben. Laut Angaben auf seiner Website soll er etwa 2000 Kriminelle hinter Gitter gebracht haben. In einem Einsatz für den Bundesnachrichtendienst im Jahr 1996 wurde es für ihn selbst brenzlig. Bei dem Versuch, eine in Kolumbien entführte Deutsche außer Landes zu bringen, flog sein Einsatz auf und damit auch seine berufsbedingte Tarnung. Mauss wurde festgenommen und blieb neun Monate lang in kolumbianischer Untersuchungshaft. 1998 wurde das Verfahren eingestellt, die Festnahme für rechtswidrig erklärt und der Agent rehabilitiert.

Mauss führt ein luxuriöses Leben

Mauss ist verheiratet und hat drei Kinder. Er führt ein wohlhabendes Leben, soll Luxusautos, ein burgähnliches Anwesen und mehrere Dutzend Pferde besitzen. Mit dem Prozess könnte das legendenumwobene Leben des Werner Mauss eine Wendung nehmen – und ganz profan ins Gefängnis führen. Um die Vorwürfe zu untermauern, hat die Staatsanwaltschaft zehn Zeugen benannt, unter anderem aus dem Vatikan, aus Israel und Brasilien. Ob sie anreisen und vor Gericht aussagen müssen, ist allerdings offen. Die Richter haben zunächst neun Verhandlungstage bis zum 19. Dezember vorgesehen. Mauss sitzt nicht in Untersuchungshaft. Ins Visier der Steuerfahnder war er geraten, als Ermittler in Nordrhein-Westfalen 2012 eine Steuersünder- CD der Schweizer Bank UBS gekauft hatten – der Bank, bei deren luxemburgischer Tochter Mauss das Konto führte. Der Ex-Agent hatte erst vor wenigen Monaten während der Enthüllungsaffäre um die Panama Papers den Vorwurf der Steuerhinterziehung zurückgewiesen. Der Prozess gegen ihn wird am 4. Oktober fortgesetzt. (dpa/AFP)

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