Welt : Wachmann gesteht Mord

Wolfgang Drechsler

Ein 21-jähriger Wachmann hat gestern den Mord an Marike de Klerk, der Ex-Frau des früheren südafrikanischen Präsidenten Frederik Willem (FW) de Klerk, gestanden. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, arbeitet der Mann für die Sicherheitsfirma Securicor Gray, die auch den Wohnkomplex bewacht, in dem Frau De Klerk lebte und am Montag ermordet wurde.

Die Polizei hatte den Wachmann am Donnerstagmorgen in dem Kapstädter Township Khayelitsha festgenommen. Zuvor waren Detektive auf einen Anruf gestoßen, den der Tatverdächtige offenbar unmittelbar nach dem Tod von Frau de Klerk auf ihrem Handy gemacht hatte. Auch wurden angeblich seine Fingerabdrücke in der Wohnung der 64-Jährigen gefunden. Die Tatsache, dass es keine Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen des Täters in die Wohnung gab, hatte bereits frühzeitig zu der Annahme geführt, dass Frau de Klerk ihren Mörder zumindest flüchtig kannte und ihm womöglich die Tür öffnete. Wie gestern weiter bekannt wurde soll eine unbekannte Summe Geld aus ihrer Wohnung verschwunden sein. Zudem gab die Polizei bekannt, dass sie nach weiteren Tätern fahnde. Dabei soll es sich unter anderem um einen 15-jährigen Schüler handeln. Marike de Klerk, die politisch als äußerst konservativ galt, war während des Übergangs der Kap-Republik von der weißen Vorherrschaft zur Demokratie zwischen 1989 und 1994 First Lady Südafrikas. Sie hat zwei Söhne und eine Tochter und wurde 1997 nach 38-jähriger Ehe von Frederik Willem de Klerk geschieden.

Der ehemalige Staatspräsident von Südafrika äußerte in einer Pressemitteilung "Schock und Bestürzung" über den Tod seiner Ex-Frau. Frau de Klerk war am Dienstag von ihrem Friseur erstochen in ihrem Apartment in Bloubergstrand bei Kapstadt aufgefunden worden. Die Wohngegend gilt gemeinhin als sicher. Ihr Begräbnis soll in Pretoria stattfinden.

Der Mord an der früheren First Lady hat das Augenmerk zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit auf die anhaltend hohe Kriminalität in Südafrika gelenkt. Erst vor kurzem hatte ein besonders brutaler Fall von Kindesmissbrauch die Gemüter am Kap erregt. Dabei war ein neunmonatiges Baby von sechs Männern vergewaltigt worden. Nach Polizeiangaben kommen in Südafrika jährlich mehr Menschen gewaltsam ums Leben als in den Krisengebieten der Welt.

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