Währungssicherheit : Forscher contra Fälscher

Bei der Deutschen Bundesbank ist man besorgt. Immer mehr falsche Euro-Münzen sind im Umlauf. Hologramme sollen die Münzen nun sicherer machen.

Göttingen - Allein im ersten Halbjahr 2006 wurden im deutschen Zahlungsverkehr fast 40 Prozent mehr falsche Euro-Münzen als in den sechs Monaten zuvor registriert. Bei den insgesamt 39.000 Fälschungen handelte es sich zu mehr als 95 Prozent um Zwei-Euro-Münzen. Schutz könnte künftig ein neues Sicherheitsmerkmal in Form eines Hologramms bieten, das vom Forschungsverbund Simulan unter Federführung des Laser-Laboratoriums Göttingen (LLG) entwickelt wurde. Simulan will die Ergebnisse am Donnerstag bei den Staatlichen Münzen Baden-Württemberg in Stuttgart vorstellen.

"Kriminelle prägen die Falschmünzen mit Stempeln aus gehärtetem Stahl", sagt Projektleiter Jürgen Ihlemann. Die Falsifikate seien zum Teil so gut, dass Laien sie nicht von Originalmünzen unterscheiden könnten. "Verschärft wird das Problem durch Betrüger, die mit Metallscheiben oder mit ausländischem Geld systematisch Automaten leerräumen", ergänzt LLG-Abteilungsleiter Peter Simon. Diese Fälle erfasse die Statistik nicht.

"Münzprüfer in Automaten legen ein Hochfrequenzfeld an und kontrollieren so die magnetischen und elektrischen Eigenschaften von eingeworfenem Geld", erläutert Simon. Das geschieht berührungslos, während die Münze eine Bahn herabrollt. Nicht kontrolliert wird dabei aber das Relief des Geldstücks.

Hilfe auch für den normalen Bürger

"Unser Forschungsverbund hat in den vergangenen drei Jahren ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept entwickelt, um Zwei-Euro-Münzen mit einem Hologramm auszustatten", sagt Ihlemann. Nur ein Quadratmillimeter groß solle es sich jeweils in der Mitte auf beiden Seiten der Münze befinden. Auch der normale Bürger könnte so echte von falschen Münzen unterscheiden.

"Hologramme sind allerdings auf Geldscheinen leichter aufzutragen als auf Metall", sagt Simon. Bei Papiergeld werden sie auf einer Kunststofffolie erzeugt, die dann mit dem Schein verklebt wird. Bearbeitet man Metall mit einem Laser, beginnt dieses aufgrund seiner guten Wärmeleitfähigkeit leicht zu schmelzen. Es entsteht eine verwaschene Struktur. "Abhilfe schaffen Laserpulse, die Femtosekunden, also billiardstel Sekunden, kurz sind", sagt Simon. Der vom LLG entwickelte Laser, der in seiner Art weltweit einzigartig sei, arbeite zudem mit kurzwelligem ultravioletten Licht.

Technische Fragen sind gelöst

Erzeugt werden die Hologramme so, dass es kaum zu einer Abnutzung kommt. Die Forscher haben dazu berührungslos funktionierende Lesegeräte entwickelt. Münzprüfer in Automaten sollen dabei klein und kompakt sein. Lesegeräte in Münzzählern, wie sie etwa Banken einsetzen, müssen pro Minute mehrere tausend Münzen bewältigen. "Die technischen Fragen sind gelöst", sagt Simulan-Koordinator Ihlemann. Nun seien die Entscheidungsträger an der Reihe.

"Das Know-how, das wir in dem Projekt erworben haben, lässt sich in anderen Bereichen nutzen", betont Simon. So kämpft die Industrie mit dem Problem der Produktpiraterie. Vor allem aus dem asiatischen Raum kommen Nachbauten. "Da sie nicht den Qualitätsstandards entsprechen, droht bei sicherheitsrelevanten Teilen der Auto- und Luftfahrtsindustrie oder der Medizintechnik Lebensgefahr", erläutert der Physiker. Solche Teile ließen sich mit Hologrammen schützen. Ein erstes entsprechendes Projekt plant das LLG im kommenden Jahr mit einem Industriepartner. (Von Michael Caspar, ddp)

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