Waffenrecht : Amok-Opfer gegen Verbot von Paintball

Die Regierung zieht Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden. Die diskutierten Gesetzesänderungen werden von den Eltern der Opfer aber nur als "Kosmetika" angesehen.

Stuttgart - Ein schärferes Waffenrecht, Verbot von Gewalt- Computerspielen, mehr Jugendschutz im Internet und Prävention an Schulen – diese Forderungen hat zwei Monate nach dem Amoklauf von Winnenden ein Aktionsbündnis betroffener Eltern erhoben. „Es darf kein zweites Winnenden mehr geben“, sagte Sprecherin Gisela Mayer am Freitag in Stuttgart. Sie hat bei dem Massaker ihre Tochter – eine junge Lehrerin an der Albertville-Realschule – verloren. Die diskutierten Gesetzesänderungen seien eher „Kosmetika“, sagte Vorstand Hardy Schober, der Vater einer getöteten Schülerin. Bei seinem Amoklauf am 11. März hatte der 17-jährige Tim K. in seiner ehemaligen Schule in Winnenden und bei seiner Flucht 15 Menschen und danach sich selbst erschossen.

Statt verdachtsunabhängige Kontrollen von Waffenbesitzern einzuführen, sollten großkalibrige Waffen für Privatpersonen verboten sowie Faustfeuerwaffen in privaten Haushalten generell untersagt werden. Die Kontrollen seien sehr viel effizienter, wenn solche Waffen bei den Schützenverbänden aufbewahrt würden. PC-Spiele, die Gewalt fördern, gehören nach Überzeugung der Eltern vollständig verbannt. Eine Einschränkung durch Altersgrenzen sei zu einfach zu umgehen. Dagegen ist das geplante Verbot von „Paintball“, bei dem die Mitspieler mit Farbpistolen aufeinander schießen, aus Sicht des Aktionsbündnisses „ein bisschen übertrieben“.

An den Schulen müssten mehr Psychologen und Sozialarbeiter eingesetzt werden. Mindestens einen dieser Fachleute müsse es an jeder Schule geben. Sie könnten Verhaltensauffälligkeiten von Schülern und in Zusammenarbeit mit Lehrern und Polizei Gefahrenpotenziale erkennen. Mayer sagte, die guten Absichten in der Politik seien da: „Was wünschenswert wäre, wäre ein bisschen Mut.“ Das Bündnis will nun mit einer bundesweiten Unterschriftenaktion zeigen, dass „viele Menschen so denken wie wir“, sagte Mayer. „Wir brauchen einen breiten Rücken.“ Rapper Danny Fresh stellt dem Bündnis einen Song zur Verfügung. Zugleich soll eine Stiftung gegen Gewalt an Schulen unter dem Dach der Diakonie gegründet werden. dpa

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