Welt : Wahl-Verwandtschaften

Wer passt zu wem? Eine Studie ermittelt, wie wichtig bei der Partnersuche politische Einstellungen sind

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Parteipolitik spielt bei der Partnersuche eine erhebliche Rolle. Das ergab eine Umfrage unter 12 000 Singles aller Altersgruppen im Auftrag der Hamburger Partnervermittlung ElitePartner. Das Marktforschungsinstitut Fittkau und Maaß fragte zunächst nach Partei-Präferenzen. In einem zweiten Schritt ging es darum, wie wichtig es ihnen ist, dass ihr Partner dieselbe politische Richtung vertritt wie sie selbst. Klares Ergebnis: Am wichtigsten ist die politische Übereinstimmung für die Anhänger der Partei Die Linke, dicht gefolgt von denen der Grünen und der SPD. Dabei sind es bei den Frauen eher Anhängerinnen der Grünen, die bei der Partnersuche am meisten auf die politische Gesinnung achten, bei den Männern liegen dagegen die der Linken vorn.

Am wenigsten macht es dagegen offensichtlich den Anhängern der FDP aus, sich das Zusammenleben mit einem Menschen vorzustellen, der ihre politische Richtung nicht teilt. Sind die Liberalen also wirklich toleranter? Dafür spricht, dass sie auch überdurchschnittlich häufig angeben, es mache ihnen nichts aus, mit einem Partner zusammenzuleben, der deutlich weniger verdient als sie selbst. Oder liegt die Erklärung eher darin, dass FDP-Wähler politisch im Schnitt weniger engagiert sind als die meisten links orientierten Zeitgenossen, dass sie zum Beispiel seltener auf Protestveranstaltungen zu finden sind, sodass die politische Einstellung auf die Gestaltung der Freizeit weniger Einfluss nimmt? Insgesamt finden es die befragten Männer weniger wichtig, wo die Angebetete politisch steht, als die Frauen das im Hinblick auf ihren Liebsten tun. Dieses Phänomen gilt interessanterweise über Parteigrenzen hinweg. Fast die Hälfte der Grünen-Wählerinnen legt hier Wert auf Übereinstimmung, aber nur 26,7 Prozent der männlichen Anhänger dieser Partei. Und sogar 37,5 Prozent der Anhängerinnen der Liberalen finden es wichtig, dass ihr Traummann diese Vorliebe teilt, während nur jeder fünfte männliche FDP-Wähler das relevant findet. Über die Gründe kann man bisher nur spekulieren: Denken Frauen heute politischer? Oder sind sie auch auf diesem Sektor stärker auf Harmonie in der Beziehung bedacht? Wie die junge Frau, die in einem Internet-Forum schreibt: „Für mich ist es keine gute Vorstellung, dass mein Partner und ich am Wahlabend für verschiedene Parteien fiebern!“ Halten manche Männer das womöglich für weniger schlimm, weil es für sie generell unmaßgeblich ist, welche Einstellungen Frauen haben – solange Aussehen und Charakter stimmen?

Mit dem letzten Punkt dürften sie sogar richtig liegen. Studien zeigen zwar immer wieder, dass es Beziehungen guttut, wenn die Partner grundlegende Werte teilen. „Für den langfristigen Erfolg einer Paarbeziehung sind aber Charakter und Persönlichkeitsmerkmale viel wichtiger“, sagt der Paar- und Singleberater Christian Thiel, Autor des Buches „Streit ist auch keine Lösung“. Er kann sich dabei auf Untersuchungen wie die der US-Forscher Shanhong Luo und Eva Klohnen stützen, die bei ausführlichen Interviews mit 290 Verheirateten feststellten: Gleiche Einstellungen zu politischen und gesellschaftlichen Fragen sind für das Glück in der Ehe nicht entscheidend.

Andererseits spielen Einstellungen beim Kennenlernen eine große Rolle. „Menschen machen es eben gern an leicht feststellbaren Dingen fest, ob sie zueinander passen, nach dem Aussehen und der Kleidung kommen deshalb gleich die Interessen und die Einstellungen“, kommentiert Thiel. Ob man mit dem Charakter des anderen auf die Dauer auskommen kann, ist weit schwerer herauszufinden. Doch Persönlichkeitsmerkmale sind auch deshalb wichtig, weil sie stark darüber bestimmen, wie ein Paar im Konfliktfall miteinander umgeht. Ob es zum Beispiel gut streiten kann. Das Superwahljahr dürfte einige gute Testmöglichkeiten dafür bieten.

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