Wahlkampf : 162 Gründe für die Wiederwahl

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel versucht, mit viel Eigenlob für seine Wiederwahl zu kämpfen - und erntet dafür viel Kritik, auch aus den eigenen Reihen.

Torben David
Erwin Rüddel, seit vier Jahren Abgeordneter der CDU-Fraktion im Bundestag.
Erwin Rüddel, seit vier Jahren Abgeordneter der CDU-Fraktion im Bundestag.Foto: Dieter Klaas, Fotodesign Klaas

Der Wahlkampf treibt manchmal seltsame Blüten. Erwin Rüddel, Bundestagsabgeordneter der CDU, hat nun einen neuen Weg gefunden, für seine Wiederwahl zu werben. Wie die "Rhein-Zeitung" berichtet, hat der Abgeordnete des Wahlkreises Altenkirchen/Neuwied in Rheinland-Pfalz am Freitag, dem 12. Juli, eine E-Mail an Parteifreunde und potenzielle Unterstützer verschickt. Unter dem Betreff "Ich wähle Erwin Rüddel, weil...............!" verbirgt sich der Aufruf, eigene Gründe für die Wahl zu veröffentlichen. So weit, so gewöhnlich. Gerade Direktwahlkandidaten sehen sich einem großem Druck ausgesetzt, wenn sie nicht über die Liste abgesichert sind und versuchen sich Unterstützung auf die kreativste Art und Weise zu sichern.

Damit die Arbeit in Rüddels Fall aber nicht so schwer fällt, hat der Christdemokrat gleich eine Liste mit 162 eigenen Gründen angehängt. Diese Beispiele enthalten Eigenlob wie  "Ich wähle Erwin Rüddel, weil er nicht überredet, sondern überzeugt. Andere machen große Worte, aber er kann die Menschen mit seinen klaren Vorstellungen begeistern und mitreißen. So einen brauchen wir wieder in Berlin", oder "Ich wähle Erwin Rüddel, weil er nicht nur im Sport, sondern auch in der Politik ein erfolgreicher Marathonläufer ist."

Rüddel macht es seinen Unterstützern einfach

An jede Aussage ist gleich der Platzhalter "(Vorname Name, Ort, evtl. Funktion und Bild)" angebracht - die Unterstützungsbekundung fällt also denkbar einfach aus. Wer will, muss nur noch die eigenen Daten hinzufügen und kann das vorgefertigte Lob auf der eigens dafür eingerichteten Unterstützer-Website einreichen. Auf Rüddels Website haben sich derweil tatsächlich die ersten Unterstützer eingefunden. Sowohl Eigenkreationen als auch die vorgefertigten Lösungen sind vertreten. Ganz ohne Anklang scheint die Aktion also nicht gewesen zu sein.

Trotzdem, der Rhein-Zeitung zufolge kommt diese Art der Eigenwerbung auch bei Parteifreunden nicht immer gut an. Von "völliger Hybris" wurde gesprochen und von "penetranter Selbstgerechtigkeit". CDU-Mann Rüddel selbst kann indes die Aufregung um seine Werbeaktion nicht nachvollziehen, der Süddeutschen Zeitung sagte er auf Anfrage, die Liste sei von Freunden in "Fleißarbeit" zusammengestellt worden und es handle sich um ein reines "Service-Angebot". Gleichzeitig gibt er sich demonstrativ entspannt: "Dass das jetzt so in die Comedy-Ecke gestellt wird, hat mich schon überrascht. Aber ich bin ein Typ, der in der Lage ist, sich selbst auf die Schippe zu nehmen."

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