Welt : Wahre Geschichte: Menschen mit Schiffen

Helmut Höge

Früher begleitete ich meinen Vater sonntags immer in den Hafen, Schiffe angucken. Manchmal fand im Schuppen 13 auch ein Hafenkonzert statt. Später fuhr ich - wie mein Vater - zur See: auf der MS Riederstein. Für den Tellerwäscher ist das Schiff ein öder Arbeitsplatz, für den Fotografen aber auf dreierlei Weise sehr attraktiv: 1. Kann man es vom Land aus wunderbar ins Bild nehmen - selbst auf voller Fahrt. 2. Kann man auf dem Schiff selbst jemanden gut in Pose stellen - er oder sie symbolisiert sogar noch bei größter Unfähigkeit Fernweh und volle Kraft voraus. Und 3. kann man vom Schiff aus seelenruhig die Landschaft beziehungsweise das Meer drumherum - mit Möwen, Wellen, anderen Schiffen usw. - aufnehmen. Nicht nur ist das Segelschiff das eleganteste Fortbewegungsmittel, das der Mensch je erfand, darüber hinaus ist das Meer auch noch fast mit der Mutter identisch - jedenfalls im Französischen und in der Phylogenese. Daher rührt vielleicht die reiche Geschichte der Metapher vom "Schiffbruch mit Zuschauer". Die Dame am Schornstein oben in der Mitte befindet sich auf ihrer Kreuzfahrt offenbar ganz in der Nähe des Untergangsortes der "Titanic".

Das größte Glück bei der Seefahrt besteht jedoch nicht darin, das Ziel zu erreichen, sondern es bis zum Kapitän zu bringen. Besonders die so genannten Freizeitkapitäne, auch Commodore oder Shipper genannt, bringen es dabei zu beeindruckenden Posen, wie die Fotos beweisen. Während die Männer also davon träumen, es mindestens bis zu einer eigenen Yacht zu bringen, begnügen sich die Frauen oftmals damit, bei den Mahlzeiten am Tisch des Kapitäns plaziert zu werden.

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