Welt : Wahre Geschichten: Menschen beim Banksport

Friedrich Küppersbusch

Ein Leben in Besessenheit - die deutsche Bank. Immer mehr ältere Menschen bekennen sich zum Extrem Outdoor Rumsitzing, immer wagemutiger werden die coolen Stunts der Banker: Ursprünglich für Skateboarder zum Drüberschrubbeln von der Stadtsparkasse gestiftet, locken die trutzigen Möbel heute rüstige Pensionäre zum heavy-duty-pobacking. Wo früher junge Menschen steißten, ist die korrekte Sitzweise, mit den Füßen auf den Brettern, kaum noch anzutreffen. Stattdessen strömen sensationsgierige Sechziger aus den Oma-mit-Hut-Cafés auf die kommunal finanzierten Arschboards und verschrecken die Anwohner mit aggressivem pigeonfeeding.

So eine Ü-60-Posse kann einem schon einen Schrecken einjagen, räumen Streetworker offen ein, aber gerade deshalb müsse die öffentliche Hand den "agies" szenegerechte Angebote machen. Viele Ältere, die heute sozial unauffällig sind, sich beim Inlinern Rheuma holen oder mit dem Rennrad auf die Fresse legen, sind durch die Bank erst auf den Geschmack gekommen. Und aufs Gesäß. Führende Bankbuilder halten deshalb am unverwüstlichen Dreibrettprinzip fest. Dabei treiben die Schlitze dazwischen Liebespaare in die Flucht. Vor sozialen Brennpunkten wie Gemeindezentren oder Tanztees sind die schrillgrau lackierten Seniorenfallen nicht mehr wegzudenken. Und der Videoclipkanal "ARD" zeigt in seinen volkstümlichen Musikprogrammen Tausende begeisterte "benchies" beim analphasing zu hipper Musik. Der mächtigen Arschlobby ist zuzutrauen, den abgesagten Spießerkarneval "Love Parade" zu vermieten; damit man im Tiergarten endlich in Ruhe sitzen kann.

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