Welt : Wahre Geschichten: Menschen beim Vergnügen

Michael Rutschky

Menschen passen nicht zusammen. Es sei denn, sie arbeiten miteinander oder haben Sex. Am Schlimmsten wird es, wenn sie sich zwanglos vergnügen wollen. Einfach nur nett und lustig soll es sein, man hat sich in den korrekten Anzug geschmissen und das Lockenhaar ordentlich nach hinten gebürstet...

Und dann findet man sich auf so einer Art Reiterhof wieder. Widerstrebend muss man beim Tanzen Hand an eine Blondine legen, die denkbar inkorrekt gekleidet ist, bloß Hose und Oberteil, eine rechte Fettschnecke, unter uns gesagt. Die rechte Hand krampft sich mühsam in ihre linke, und unsere linke würde ihr nacktes Schulterblatt liebend gern loslassen (kein Gedanke an Sex).

Eine gewisse Abhilfe schafft beim Feiern, das den Menschen stets misslingt, die Kamera, sofern sie entdeckt wird. Richtet sie sich auf die ungelenk Tanzenden, gleich zeigen sie ein strahlendes Lächeln, als machten sie nichts lieber auf der Welt, als sich dergestalt aneinander zu klammern.

Abhilfe schaffen auch Speisen und Getränke. Denn dann haben die Menschen beim Feiern anderes zu tun als sich mit ihresgleichen zu befassen. Sie können essen und trinken, wobei ganz gleichgültig ist, ob sie Kotelett oder Kuchen in ihren je eigenen Körper tun, Kaffee oder Cognac. So sind sie jedenfalls wieder bei sich, statt beieinander.

Keine Frage, dass es die Lage der Feiernden weiter verbessert, wenn man sie beim Essen und Trinken auch noch fotografiert. Dann bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig, als die Tassen zu heben, sich vergnügt und lustig zu zeigen, als hätten sie nie was anderes gemacht, als wäre Feiern ein Kinderspiel.

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