Welt : Wahre Geschichten: Menschen mit Hunden

Fanny Müller

Nach dem Krieg zog nebenan Doktor Ramm ein, der seine Frau und Sigrid mitbrachte und einen Dackel namens Purzel. Frau Ramm, die es nicht ungern hörte, mit "Frau Dr. Ramm" angesprochen zu werden, hatte einen Hang zu Höherem, was sich darin ausdrückte, dass sie den Hund "Puchzel" rief. Sigrid und ich saßen nachmittags im Wohnzimmer und schnitten Hundefotos aus Illustrierten aus, die wir in ein Heft klebten. Warum wir das taten, kann ich wirklich nicht mehr sagen. Heute würden wir stattdessen fernsehen, was vermutlich genau so sinnvoll wäre, nur lauter.

Puchzel war immer bei uns und lag auf einem ausrangierten Sofakissen. Sein größtes Vergnügen bestand darin, sich in das Kissen zu verbeißen, während wir ihn damit herumschwenkten. Hätte er oder hätten wir irgendwann mal losgelassen, so wäre er sicher am Schrank oder an der Wand zerschellt. Unsere Familie hielt sich keinen Hund, auch meine Großeltern nicht, die ein paar Dörfer weiter wohnten. Meine Großmutter fand Hunde ekelhaft "weil sie am Po von anderen Hunden riechen". Sie warnte uns davor, Brombeeren zu pflücken, die nicht mindestens in einem Meter Höhe wuchsen: "Da haben bestimmt Hunde drangemacht."

Als meine Schwester heiratete, heiratete sie einen Hundebesitzer, der ein Händchen für doofe Hund hatte. Ein Schäferhund, der Tobias hieß - "Sir Toby" für die Kinder - war so dumm, dass er keinen beißen wollte und deshalb im Garten und im Haus frei herumlaufen durfte. Meine Schwester behauptete, dass er sogar zu dumm zum Pinkeln sei und immer umfiele, wenn er ein Bein hebe. Das habe ich aber, ehrlich gesagt, nie selbst gesehen.

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