Welt : Waldbrände: USA rufen Mexiko und Australien zu Hilfe

Raoul Fischer

Die Waldbrände im Westen der USA breiten sich immer weiter aus. Große Feuerwände rasen durch staubtrockene Nadelwälder und überspringen sogar Flüsse. 1,4 Millionen Hektar sind in diesem Jahr schon verbrannt, 258 000 Hektar in den vergangenen 14 Tagen. Hunderte Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, allein vom Rauch geht eine große Gefahr aus. So stieg in Salt Lake City im Bundesstaat Utah die Ozonkonzentration auf den höchsten Grad seit 1989, seit fünf Tagen dürfen Kraftfahrzeuge nur noch eingeschränkt genutzt werden. Die 20 000 Feuerwehrleute und Soldaten aus den USA und Kanada führen einen nahezu aussichtslosen Kampf. Neue Gewitter und die anhaltende Hitze fachen die Brände weiter an. Löschtrupps aus Mexiko und Australien sollen zu Hilfe kommen.

Waldbrände sind im Westen der USA nicht ungewöhnlich. "Da herrschen hohe Temperaturen und extreme Trockenheit - richtig kontinentales Klima", sagt Markus Radday vom World Wide Fund for Nature. Zudem bestünden die Wälder vorwiegend aus Nadelhölzern. "Die brennen besonders gut", erklärt Radday. Laut Hans Köpp, Professor für Forstwissenschaften an der Fachhochschule Göttingen, sind Waldbrände sogar nötig. "Sie sind Bestandteil der Ökologie und bewirken, dass sich die Vegetation erneuern kann", sagt er. Dennoch stellen die Feuer eine Bedrohung dar: Das Feuer macht vor menschlichen Siedlungen nicht Halt. Zudem sind die Brände im Südwesten der USA extrem schwer zu löschen.

Hitze lässt Bäume explodieren

Laut Radday handelt es sich um so genannte Gipfelbrände im Gegensatz zu Bodenbränden, wie sie zum Beispiel in den tropischen Regenwäldern Indonesiens vorherrschen. Dort brennt vor allem das Unterholz. "In den Kiefernwäldern im Südwesten der USA bilden die Flammen eine bis zu 50 Metern hohe Feuerwand, die sogar größere Brachstellen oder Hindernisse wie Flüsse überspringt", sagt er. Die enorme Hitze bewirkt, das das Harz in den Nadelbäumen explodiert und ätherische Dämpfe freisetzt, noch bevor der Bestand von der Feuerwand erreicht wird. Köpp nennt zwei weitere Probleme: "Man-made"-Wälder, die von Menschen angelegt wurden, sind besonders empfindlich. Sie bestehen meistens aus einer Baumart, zum Beispiel sehr harzhaltigen Kiefern. Die "wilden" Abschnitte seien nur zu einem Bruchteil erschlossen: Keine Wege, wie in Deutschland, sondern unwegsames Gelände, in dem sich Brände nur vom Flugzeug aus löschen ließen.

Für die große Trockenheit im Südwesten der USA machen Experten das Klimaphänomen El NinÄo - La Niña verantwortlich. Dabei handelt es sich um Schwankungen der Meerestemperatur im Südpazifik mit weitreichenden Folgen für das Wetter in Kalifornien und Umgebung. Der Klimaforscher Mojib Latif vom Max Planck-Institut für Metereologie in Hamburg erklärt dies so: Ist das Wasser im tropischen Pazifik verhältnismäßig warm, ist El Niño da. Ein globaler Luftstrom, der "Jetstream", verläuft dann sehr weit südlich und erreicht sogar Südkalifornien. "Der Jetstream ist die Autobahn, auf der die Tiefs fahren", erklärt Latif. Die bringen dann Regen in den Südwesten der USA.

Grüße von La Niña

In den vergangenen zwei Jahren habe es aber eine La Niña-Phase gegeben. Das ist die Schwester von El Niño, die ihm auf dem Fuße folgt. Die Meerestemperatur im Südpazifik ist dann relativ kalt. Das verändert das Drucksystem in der Atmosphäre. Der Jetstream verläuft weiter nördlich und in Kalifornien bleibt es trocken. Latif beurteilt die These zurückhaltend, dass die Zeiträume immer kürzer werden, in denen sich El Niño und La Nina abwechseln. Sicher könne man aber sagen, dass das Klima weltweit wärmer werde. das verschärfe auch Trockenphasen zum Beispiel in den USA.

Radday vom WWF geht dagegen davon aus, dass sich Trocken- und Regenphasen schneller abwechseln. Große Waldbrände folgten in kürzeren Zeitabschnitten aufeinander, was für die Natur ein Problem darstelle. Eigentlich seien manche Baumarten auf Waldbrände eingestellt. "Bei verschiedenen Kiefernarten platzen die Zapfen erst bei hoher Hitze auf", erklärt Radday. Andere Bäume hätten zudem eine starke Borke oder seien durch bestimmte chemische Stoffe geschützt. Wenn aber die Zeiträume zwischen den Bränden zu kurz seien, in denen sich der Wald erholen könne, könnten Gebiete veröden. "Die USA kann sich aber die Brände im Gegensatz zu anderen Regionen noch leisten", sagt Radday. In Südostasien habe es zum Beispiel 1997 / 1998 auf einer Fläche von acht bis neun Millionen Hektar gebrannt, davon seien zu 50 Prozent Wälder betroffen gewesen.

Aber die Brände müssen unter Kontrolle gehalten werden, damit der Mensch nicht zu Schaden kommt. Eigentlich hat man in den USA und Kanada damit die größte Erfahrung und verfügt über die beste technische Ausrüstung, sagen die Experten. Zum Beispiel verfügt man hier über spezielle Löschflugzeuge, die in der Lage sind, in kurzer Zeit Tonnen von Wasser aufzutanken, um sie über unwegsamem Gelände abzuwerfen. Köpp erzählt von so genannten Smoke-jumpern (Rauchspringern), die mit dem Fallschirm vor einer Feuerfront abspringen, um sich dann - von Aluminiumplanen geschützt - vom Brand überrollen zu lassen und direkt hinter der Linie zu löschen beginnen. Ein gefährlicher Job. Aber auch andere Feuerwehrleute riskieren ihr Leben. Wenn zum Beispiel der Wind rasch umschlägt und das Feuer seine Richtung ändert, können Löschkräfte eingeschlossen werden. In den USA sind gerade vier Feuerwehrleute in einer solchen Feuerfalle verletzt worden. Umgerechnet 30 Millionen Mark verschlingen die Löscharbeiten täglich. Nur eines würde die Lage anhaltend entspannen, sagt Latif: "Ein richtiger Regen."

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