Walfang-Konferenz : Tierschützer kritisieren "Kompromiss-Plan"

Am Freitag geht die 60. Tagung der Internationalen Walfangkommission in Chile zu Ende - Tierschützer sind vom Ergebnis enttäuscht. Sie fürchten, dass nach der schwierigen Kompromissfindung am Ende die Wale die Verlierer sind.

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Japanische Fischer schlachten einen Schnabelwal. -Foto: dpa

Santiago de Chile/Hamburg Walschützer haben die Verschiebung zentraler Entscheidungen auf der an diesem Freitag zu Ende gehenden 60. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Chile kritisiert. Das angestrebte Kompromiss-Paket drohe dringend notwendige Schutzmaßnahmen für die Meeressäuger zu opfern, sagte Artenschutzdirektor Ralf Sonntag vom Internationalen Tierschutzfonds (IFAW) am Donnerstag in Chiles Hauptstadt Santiago. In der IWC stehen sich seit Jahren Walschützer und Walfänger unversöhnlich gegenüber. Der IWC-Vorsitzende William Hogarth hatte zur Lösung des Patts einen Acht-Schritte-Plan vorgelegt. Demnach sollen zunächst nur noch einstimmige Beschlüsse gefasst werden. Bis zur nächsten Jahressitzung in Portugal soll dann ein Kompromisspaket geschnürt werden, das alle strittigen Fragen umfasst.

"Die Gefahr ist groß, dass bei einem Kompromiss die Wale als Verlierer dastehen", warnte Sonntag. So hat zwar Japan seinen Antrag auf Genehmigung eines sogenannten Küstenwalfangs in seiner 200-Meilen-Zone zunächst auf Eis gelegt. Im Gegenzug war aber auch ein ursprünglich von Brasilien und Argentinien aufgebrachter Antrag für eine Wal-Schutzzone im Südatlantik nicht eingebracht worden. Allerdings verlautete aus der brasilianischen Delegation, dass der Antrag für die Schutzzone im Südatlantik doch noch zur sofortigen Abstimmung eingebracht werde, falls Dänemark für Grönland die Genehmigung zur Tötung von zehn Buckelwalen beantragen sollte.

Eingeborenen-Walfang

Von Grönland aus darf unter den IWC-Bestimmungen sogenannter Eingeborenen-Walfang betrieben werden. Die deutsche Meeresbiologin Petra Deimer von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere kritisierte das dänische Vorhaben. Es sei die Rede von der "Entnahme" von zehn Tieren. Dies könne durchaus auch den Tod von mehr Tieren bedeuten, da manche nach dem Abschuss verloren gingen. Hingegen war klar, dass es für keinen der beiden Anträge eine notwendige Dreiviertelmehrheit geben würde.

Über den vorläufigen Rückzieher Japans zeigte sich die Internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS erleichtert. "Japan hat jedoch deutlich gemacht, dass es im Rahmen der Verhandlungen über die Zukunft der IWC darauf bestehen wird, den kommerziellen Walfang in Küstengewässern zu legalisieren", betonte WDCS-Sprecher Nicolas Entrup. Zugleich warnte er davor, die IWC als nicht funktionsunfähig zu verdammen. So werde sie in der Öffentlichkeit von den Walfangstaaten dargestellt und viele tappten in diese Falle, sagte er in Santiago. Die Tatsache, dass sich einige wenige Walbestände erholen sei aber auf das seit 1986 bestehende Walfangverbot zurückzuführen. "Man kann doch nicht einerseits jubeln, wenn sich der Blauwalbestand in der Antarktis von 0,1 Prozent auf 1 Prozent des Bestandes vor Beginn der kommerziellen Bejagung erholt hat und gleichzeitig sagen, das Gremium ist funktionsunfähig", betonte Entrup. (mfa/dpa)

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