Walter Mixa : Der Druck war "wie ein Fegefeuer"

Der ehemalige Augsburger Bischof Mixa erwägt einen Gang zum Päpstlichen Gerichtshof. Er habe seinen Rücktritt nur angeboten, weil er zu diesem Schritt gedrängt worden sei. Mixa will mit dem Papst persönlich sprechen und wieder als Priester eingesetzt werden.

Walter Mixa denkt über Verfahren am päpstlichen Gerichtshof nach.
Walter Mixa denkt über Verfahren am päpstlichen Gerichtshof nach.Foto: dpa

Die katholische Kirche im Bistum Augsburg kommt auch nach dem Rücktritt des umstrittenen Bischofs Walter Mixa nicht zur Ruhe. Mixa erwägt jetzt, die Vorgänge um seinen Rücktritt vom päpstlichen Gerichtshof in Rom untersuchen zu lassen. Dies sei ein "ganz guter Gedanke, den ich sehr wohl erwäge und bedenke", sagte der 69-Jährige der Tageszeitung "Die Welt".

Er bezieht sich dabei auf das Kirchenrecht, nach dem Handlungen als nicht vorgenommen gelten, sofern sie unter äußerem Zwang zustande kamen. Einem solchen Zwang fühlte sich Mixa vor seinem Rücktrittsgesuch ausgesetzt: Der Druck auf ihn sei "wie ein Fegefeuer" gewesen, sagte Mixa dem Blatt. Bereits mit der Rückkehr in seine Wohnung im Bischöflichen Palais am vergangenen Samstag hatte Mixa für neue Unruhe und Unverständnis gesorgt.

Der Vatikan schweigt zu Walter Mixas angeblichem Rücktritt vom Rücktritt als Augsburger Bischof. "Dazu können wir nichts sagen", kommentierte ein Pressesprecher am Mittwoch in Rom.

Die bayerische Bischofskonferenz verwahrt sich gegen die Kritik Mixas am Umgang der Kirchenspitze mit ihm. "Es ist alles rechtmäßig gelaufen", sagte Sprecher Bernhard Kellner in München. Darüber hinaus gebe es nichts zu sagen. "Nicht zuletzt zum Schutz von Bischof emeritus Mixa sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten", betonte Kellner und fügte hinzu: "Wir wünschen ihm weiter gute Genesung, sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt."

Reformbewegung will Mixa nicht zur Belastung werden lassen

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" appellierte an Mixa, einzusehen, dass er nicht zur Belastung für die ganze katholische Kirche in Deutschland werden dürfe. Man habe den Eindruck, dass sich Mixa weiterhin von miserablen Beratern beeinflussen lasse. Er müsse einsehen, dass das Wohlergehen seiner früheren Diözesen Eichstätt und Augsburg wichtiger sei als seine persönlichen Ambitionen, sagte "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner.

Mixa hatte am 21. April nach Prügelvorwürfen ehemaliger Heimkinder und Vorwürfen einer Zweckentfremdung von Stiftungsgeldern für Waisenhauskinder bei Papst Benedikt XVI. um seine Amtsentpflichtung gebeten. Diese wurde offiziell am 8. Mai vom Vatikan angenommen. Vorermittlungen zu Missbrauchsvorwürfen hat die Staatsanwaltschaft eingestellt, die Prügelvorwürfe aus seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen bestehen aber weiter. Diese Vorgänge sind strafrechtlich aber verjährt.

Mixa möchte ein "Comeback" als Priester

Mixa will im Juli noch einmal mit Papst Benedikt XVI. persönlich über seinen Fall sprechen. "Er hat mich ja zum Gespräch eingeladen", sagte Mixa dem Blatt. "Vor allem will ich mit ihm also besprechen, wie sich die Situation weiter entwickeln soll." Der frühere Augsburger Oberhirte plant ein Comeback als Priester. "Ich möchte auf jeden Fall in irgendeiner Weise wieder in der Seelsorge tätig sein. Auch mit den Gläubigen feiern, Sakramente spenden."

"Wir sind Kirche"-Sprecher Weisner äußerte Verständnis für Mixas Wunsch nach einer Rückkehr in die Seelsorge. Diese sei aber in Mixas früheren Bistümern Eichstätt und Augsburg völlig undenkbar. Zudem dürfe es zu keinen neuen Polarisierungen durch Mixa und zu keinen Problemen durch seine angebliche Alkoholabhängigkeit kommen, sagte Weisner.

Mixa warf dem Vorsitzenden der katholischen Bischöfe in Bayern, dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx, sowie dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, vor, deren Verhalten "hätte brüderlicher sein müssen". Stattdessen seien sie "zum Papst geeilt und haben ihm den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen, der de facto auf nichts mehr beruhte als auf acht handschriftlichten Sätzen einer höchst dubios hingekritzelten Notiz". Der Inhalt sei haltlos gewesen, wie die eingeschaltete Staatsanwaltschaft festgestellt habe. "Damit durften die doch nicht den Papst unter Zugzwang setzen." (dpa/ddp)

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