Welt : Wanderer nach drei Tagen gerettet Sie hatten sich eine Schneehöhle gebaut

Felix Werdermann

Der Rotorenlärm des Hubschraubers verhieß die Rettung. Gestern wurden in den österreichischen Alpen vier Schneewanderer aus Deutschland gefunden, die sich am Samstag verirrt hatten. Unter ihnen ist auch der Pforzheimer Bürgermeister Alexander Uhlig (CDU), ein erfahrener Alpinist. Der Gesundheitszustand der Wanderer ist gut. Die Gruppe hatte den Großvenediger bestiegen. Auf dem Rückweg schlug das Wetter um, sie verliefen sich. „Von diesem Zeitpunkt an machten sie in ihrer Notlage alles richtig“, sagt Siegfried Berger, einer der beiden Einsatzleiter. Die vier Deutschen hätten sich eine Höhle im Schnee gegraben und dort über Ostern gemeinsam ausgeharrt – drei Nächte bei Sturm. In ihren Biwak-Schlafsäcken wärmten sie sich gegenseitig. Das Zusammenbleiben erleichterte die Suche für die Polizei. „Das gehört zum Bergsteiger-Grundwissen“, sagte Berger. Dennoch komme es bei einer langen Wartezeit schon mal vor, „dass jemand die Nerven verliert“ und die Gruppe verlasse.

Nach knapp drei Tagen kam dann die Rettung aus der Luft: Die Wanderer hörten den Hubschrauber „Libelle 4“, verließen ihrer Schneehöhle, blinkten mit einer Lampe und winkten mit Schaufeln. Eigentlich sollte der Hubschrauber die Verschollenen mit Hilfe einer Wärmebildkamera finden. Doch in der Höhle unter dem Schnee wären sie wahrscheinlich nicht erkannt worden, sagte Berger.

Eine Untersuchung im Krankenhaus Lienz attestierte ihnen eine leichte Unterkühlung. „Es geht ihnen ausgezeichnet“, sagte ein Sprecher. Abgesehen von leicht erfrorenen Zehen gebe es keine weiteren Verletzungen. „Wir haben hier ein Musterbeispiel, wie man sich in den Bergen verhalten sollte“, sagte Reinhold Dörflinger, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes. „Zusammenbleiben, kühlen Kopf bewahren und wirksamen Schutz vor Wind und Wetter suchen, das ist das Erfolgsgeheimnis.“

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