Welt : Warnen oder nicht warnen

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Eine Warnung vor einem befürchteten Massaker kann nach Ansicht des Trauma-Experten Georg Pieper die Aufmerksamkeit für potenzielle Täter schärfen. „Ich sehe darin die Chance, dass man einen Appell an alle Schüler und Eltern und Lehrer richtet: Macht die Augen auf, schaut euch um, und sprecht es an, wenn ihr merkt, dass ein Schüler abdriftet“, sagte Pieper, der die Betreuung der Schüler des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums nach dem Amoklauf 2002 organisierte.

„ Die Nachteile wie etwa Verunsicherung muss man in Kauf nehmen.“ Der Warnruf des baden-württembergischen Kultusministeriums sei sinnvoll, betonte der Psychologe – auch wenn damit viele Menschen in Aufruhr versetzt würden.

„Natürlich wird das bei manchen als übertrieben angesehen. Aber die Untersuchung ähnlicher Vorfälle hat gezeigt, dass man solche Warnungen sehr ernst nehmen muss.“ Bei Gewalttaten an Schulen in den USA etwa habe es immer Hinweise im Vorfeld gegeben. In erster Linie wollten Schüler, die eine solche Tat planen, sich selbst in die Öffentlichkeit rücken. „Das ist ein starker Anreiz für eine kleine Gruppe von verzweifelten Jugendlichen, die sich in ihrem Scheitern und ihren Problemen nicht wahrgenommen fühlen .“

Eine Massaker-Warnung sei daher ein „zweischneidiges Schwert“. „Aber das Wichtigste ist: Man kann damit unter Umständen eine schreckliche Tat verhindern .“ dpa

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