Welt : Warnung vor Großangriff auf das Internet

Wie Nutzer sich vor der Gefahr schützen können

Markus Ehrenberg

Es ist eine Horrorvorstellung für jeden Computernutzer: Plötzlich macht der Computer vor einem, was er will, reagiert gar nicht mehr auf eigene Befehle, führt fremde Kommandos aus. Wenn es nach den Warnungen von Politikern und Sicherheitsexperten aus den USA geht, könnte diese Vorstellung in den nächsten Tagen für Millionen Menschen auf der ganzen Welt Realität werden. US-Behörden warnen vor einer groß angelegten Hacker-Attacke auf das Internet, konkret: vor einer massiven Abtastung von Computern mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows.

In den zurückliegenden Tagen hätten Hacker hoch entwickelte und automatisierte Abtastprogramme eingesetzt und in diversen virtuellen Diskussionsforen darüber diskutiert, meldeten am Wochenende viele Online-Dienste. Worum geht es genau bei diesem „Abtasten“? Möglich macht das eine Sicherheitslücke, die die aktuellen Versionen der Windows-Software gegen potenzielle Hacker-Angriffe lässt. Das betrifft die professionellen Versionen Windows NT 4.0, 2000, Server 2003 sowie das System Windows XP, dass Millionen Menschen privat daheim nutzen. Davon ausgenommen sind allerdings die Nutzer der schon länger eingeführten Systeme Windows 95 und 98.

Die Lücke, die erst vor wenigen Tagen entdeckt wurde, macht es möglich, in einen fremden, weit entfernten Computer einzudringen und diesen vollständig unter die eigene Gewalt zu bringen. Als dieser Fehler bekannt wurde, machten sich Hacker im weltweiten Datennetz gleich auf die Suche: Wo gibt es Computer, bei denen diese Sicherheitslücke noch nicht geschlossen ist? Sicherheitsexperten warnen laut „Süddeutscher Zeitung“ davor, dass der eigene Computer durch solche Hacker-Attacken ausgeschaltet, die Festplatte gelöscht oder Informationen abgegriffen werden können. Außerdem können Hacker die Löcher nutzen, um weltweit zerstörerische Viren in Computern einzunisten.

Windows-Hersteller Microsoft hat reagiert. Auf der Internet-Seite steht ein so genannter Reparatur-Patch zum Herunterladen bereit, der die Sicherheitslücke schließen soll ( www.microsoft.com ). Fragt sich bloß, wie viele Nutzer das am Wochenende nutzen. Warnungen vor Hacker-Angriffen hatte es in jüngster Zeit immer wieder gegeben. Oft blieben jene aus, und dann wurden die nächsten Warnungen nicht mehr so ernst genommen. Der Computervirus „Code Red“ führte im Jahr 2001 dazu, dass die Website des Pentagon abgeschaltet werden musste. Und der Wurm „I love you“, der sich als E-Mail-Anhang versteckte, sorgte im Mai 2000 dafür, dass durch kettenweise Weiterleitung weltweit Computersysteme zusammenbrachen.

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