Warstein : Die lange Suche nach den Legionellen

Noch immer ist es nicht gelungen, den Infektionsherd der Legionellen in Warstein zu finden. Erneut tagt der Krisenstab.

Jonas Krumbein
Stadt in Angst. Die Bewohner sind zunehmend in Unruhe. Foto: dpa
Stadt in Angst. Die Bewohner sind zunehmend in Unruhe. Foto: dpaFoto: dpa

Seit einer Woche hat sich in Warstein niemand mehr mit Legionellen infiziert. Doch für die Stadt mit der bekannten Brauerei gibt es weiter keine Rückkehr zur Normalität. Denn noch immer ist ungeklärt, wie die Legionellen in das Kühlwerk der Warsteiner Brauerei gelangt sind. Für die Gesundheitsschützer des zuständigen Landkreises Soest ist die Suche nach dem Infektionsherd Detektivarbeit. Finden sie Legionellen, stellt sich sofort die Frage: Ist das die Quelle – oder nur das Glied einer Kette?

Der Stadt Warstein droht großer wirtschaftlicher Schaden

Das Warten auf Antwort ist für die Warsteiner quälend. Der Stadt droht durch die Verbindung von Legionellen und Bier großer wirtschaftlicher Schaden: Die Warsteiner Brauerei beschäftigt 2300 Menschen. Sie ist der größte Arbeitgeber der Stadt, der größte Gewerbesteuerzahler und der wichtigste Werbeträger.

165 Leute in der Stadt haben sich bisher mit Legionellen infiziert, zwei sind an den Folgen der Infektion gestorben. Legionellen können Lungenenzündungen auslösen. Die Patienten leiden an Atemnot, Fieber und Schüttelfrost. Für Biertrinker besteht aber keine Gefahr, sagt der Mikrobiloge Christian Lück von der Universität Dresden. Denn Legionellen würden vor allem eingeatmet. Bier bedeutet keine Gefahr. Beim Brauen wird es erhitzt, die Legionellen sterben dann ab. Die Produkte von Warsteiner seien sicher, sagte am Montag auch eine Sprecherin des Unternehmens.

Die Reisewarnung für Warstein gilt weiterhin

Trotzdem tagt heute in Warstein wieder der Krisenstab. Auch Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel nimmt daran teil. Der grüne Politiker will sich vor Ort über die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung informieren. In den vergangenen Tagen war die Kläranlage bereits abgedeckt worden. Nun soll ein Dach hinzukommen und eine Bestrahlungsanlage. UV-Licht soll den Legionellen in der Kläranlage den Garaus machen. Ob die Warsteiner Brauerei auch vom Wasserkreislauf getrennt wird, ist noch unklar. Weiter galt auch die Reisewarnung, die der Kreis Soest für die Stadt Warstein ausgesprochen hat. Die „Montgolfiade“, ein Ballonfahrt-Spektakel, wurde bereits abgesagt. Die sonst vollen Hotels stehen leer, 200 000 Besucher fehlen. Für Warstein bedeutet das einen schweren wirtschaftlichen Einbruch.

Ein Mann hatte auf die Kläranlage der Brauerei Warsteiner aufmerksam gemacht

Kopfschütteln verursachten Äußerungen des vom Kreis Soest bestellten Hygiene-Experten Martin Exner. Der Professor aus Bonn hatte im Gespräch mit dem „Soester-Anzeiger“ über einen möglichen Zusammenhang zwischen Brauerei-Kläranlagen und Legionellen gesprochen. Die Wissenschaft stehe hier vor neuen Erkenntnissen, sagte er. Ein solcher Zusammenhang war bislang nicht bekannt. Auch deshalb hatte sich die Suche nach dem Infektionsherd zunächst auf Klima- und Kühlanlagen konzentriert. Diese sind in den meisten Fallen ursächlich für den Ausbruch von Legionellen.

Die Krisenmanager in Soest sehen sich mit Vorwürfen aus der Bevölkerung konfrontiert. Bereits am 21. August hatte ein Mann das Gesundheitsamt auf die Kläranlage der Warsteiner Brauerei als mögliche Infektionsquelle hingewiesen. Erst am 29. August wurde eine Probe entnommen. Und die war positiv.

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