Welt : "Warum?" - Elmar Giemulla über Leiden und Gefühle der Opfer

Warum werden diese Ansprüche gegenüber d

Elmar Giemulla (49), Professor für Luftverkehrsrecht, vertritt 80 Ramstein-Opfer. Giemulla lebt in Berlin.

Warum werden diese Ansprüche gegenüber dem Amt für Verteidigungslasten erst so spät geltend gemacht?

Diese Menschen haben erst nach Jahren festgestellt, dass sie mit den Ereignissen nicht in einem Maße fertig werden, das ihnen ein Weiterleben möglich macht. Erst nach Jahren sind schlimme Beeinträchtigungen aufgetaucht: schwerste Schlafstörungen, Schuldgefühle, die Angst vor größeren Menschenansammlungen, so genannte Flashback-Situationen. Beispielsweise wirft das Vorbeigehen an einem Stand, wo Fleisch gebraten wird, einen erinnerungsmäßig wieder zurück in die damalige Unfallsituation. Manche haben versucht, sich selbst zu kurieren und derlei zu unterdrücken: umsonst. Wir wissen von so schweren Fällen, dass die Leute nicht mal in der Lage sind, darüber zu reden und schon gar nicht einen Fragebogen auszufüllen, was für eine Entschädigung nötig wäre.

Was haben denn die Betroffenen seinerzeit an Entschädigung erhalten?

In den ersten Jahren nach dem Unfall wurde ein Ersatz des materiellen Schadens gewährt. Das heißt, Krankenkosten, Beerdigungskosten, Ersatz verbrannter Kleidung, natürlich auch Verdienstausfall.

Wie wird etwa der Verlust eines Angehörigen, der die Familie ernährt hat, abgegolten?

Nur indem der Unterhaltsanspruch ersetzt wird, den man gegenüber einem Ernährer der Familie hat. Wofür es bisher keinen Ersatz gibt, ist etwa das Leid durch das Miterleben des oft langen Siechens eines Angehörigen.

Hätte es für Ihre Mandanten Folgen, wenn endlich strafrechtlich Licht in das Desaster käme?

Rein formaljuristisch nein. Es gibt einen weiteren Punkt: Betroffene sind natürlich an Schadenersatz interessiert, weil ihnen ja etwas Wertvolles genommen wurde. Sie sind aber fast noch mehr interessiert an der Aufklärung. Das heißt, wenn ich schon ein solches Opfer bringen musste, dann möchte ich doch wissen, warum. Wenn ich das Gefühl habe, dass da etwas nebulös zurückgehalten wird, dann quält mich das umso mehr, ich fühle mich als Spielball der Politik.Das Interview führte Werner Raith

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