Welt : Warum es so schwer ist, die Preise für die Weltausstellung einfach zu senken

Klaus Wallbaum

Wohin sie sich auch dreht und wendet - die Expo-Gesellschaft kann eigentlich nur falsch handeln. Bleiben die Eintrittspreise stabil, so hält die Expo-Führung zwar Wort, aber das könnte sie teuer zu stehen kommen. Mehr als einmal haben Breuel und ihr Sprecher Andreas Lampersbach betont, dass sie keineswegs an eine Preissenkung denken. Wenn Breuels Stellvertreter Norbert Bargmann jetzt aber mitteilt, es könne Ermäßigungen für Wehrpflichtige und Zivildienstleistende geben, so deutet das schon in eine andere Richtung: Bestimmte Gruppen sollen günstiger auf das Expo- Gelände kommen. Das galt bereits am Eröffnungstag und auch danach für Schulklassen von Expo-Schulen, die Freikarten erhalten hatten.

Das Problem dabei ist: Irgendwann kann es so viele Sondertarife für bestimmte Gruppen geben, dass sich diejenigen ärgern, die regulär ihre 69 Mark für eine Eintrittskarte bezahlt haben. Verzichtet die Expo andererseits auf Sondertarife, so droht der Besuchermangel zum Dauerphänomen zu werden. Die Kalkulation der Expo-Manager geriete dann ins Rutschen. Man ging von 40 Millionen Besuchern aus, die jeweils die hohen Eintrittspreise zahlen. Entsprechend ist die Berechnung: 400 Millionen Mark Verlust sind seit dem Spätsommer 1998 als möglicher Abschluss in den Finanzplänen vorhanden. Kurz zuvor hatte Expo-Chefin Birgit Breuel damals eingestanden, ihre frühere Aussage von der ,,schwarzen Null' sei nicht zu halten. Die 400 Millionen Mark teilen sich Bund und Land Niedersachsen zur Hälfte, in den Finanzplänen ist das Geld auch berücksichtigt. Senkt man jetzt die Eintrittspreise, um mehr Besucher zu locken, so entstünde ein Ausfall von mehreren Millionen Mark. Gleiches gilt für den umgekehrten Fall, dass bei stabilen Preisen weit weniger als die erwarteten 40 Millionen Gäste nach Hannover kommen.

Unter Druck geraten die Expo-Manager auch deshalb, weil das Geschäft für viele Bratwurststände, Restaurants und Souvenierläden auf dem Expo-Gelände schlecht läuft. Nach Ansicht der Betreiber liegt das an den wenigen Leuten, die zur Expo kommen. Andere meinen, die hohen Preise für Getränke, Speisen und Andenken seien abschreckend.

Was also tun? Die Politiker haben schon Monate vor dem Start der Expo über den Fall nachgedacht, dass die Weltausstellung vielleicht nicht so reizvoll wird wie erhofft und das Finanzloch sich entsprechend vergrößert. Für die bereits einkalkulierten 400 Millionen Mark ist die Aufteilung klar: Niedersachsen und der Bund kommen jeweils für die Hälfte auf.

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