Welt : Warum musste die Pharaonin sterben?

Bonner Forscher: Eine Lotion brachte die hautkranke Hatschepsut um – durch krebserregende Stoffe

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Unreine Haut. Hatschepsut-Figur des Ägyptischen Museums Berlin. Foto: dpa
Unreine Haut. Hatschepsut-Figur des Ägyptischen Museums Berlin. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Ein Ägyptologe und ein Pharmazeut der Uni Bonn haben ermittelt – und womöglich einen Todesfall aufgeklärt, der dreieinhalb Jahrtausende zurückliegt. Die Pharaonin Hatschepsut, die um 1450 v. Chr. lebte und Ägypten in ihrer 21-jährigen Regentschaft zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte verhalf, könnte sich unwissentlich mit einem Heilmittel vergiftet haben. Das fanden jetzt der Kustos des Ägyptischen Museums der Universität, Michael Höveler-Müller, und Helmut Weidenfeld vom Pharmazeutischen Institut heraus. Untersucht haben sie einen Flakon aus dem Besitz der Pharaonin, der seit langem in der Dauerausstellung des Museums zu sehen ist.

Doch das vermeintliche Parfümfläschchen enthielt kein Duftwässerchen, sondern eine Hautpflegelotion. Und dieser war eine stark krebserregende Substanz beigemischt, berichten die Forscher. Eine erste computertomografische Untersuchung ergab, dass der Lehmverschluss im Hals des Flakons intakt war und sich im Inneren eine eingetrocknete Flüssigkeit befand. Pharmakologe Wiedenfeld konnte dann im Labor ihre Zusammensetzung entschlüsseln. „Wir fanden viele ungesättigte Fettsäuren, die bei Hautkrankheiten Linderung verschaffen“, sagte Wiedenfeld am Freitag in Bonn. Bei den Fetten handelt es sich um Palmöl und Muskatnussöl. Dass Hatschepsut an Ekzemen litt, legt die Familiengeschichte nahe: Frühere Fälle von Hauterkrankungen seien bekannt, sagte Ägyptologe Höveler-Müller.

Krebserregend waren die ebenfalls in dem Fläschchen entdeckten Kohlenwasserstoffe, die aus Teer und Bitumen stammen – insbesondere Benzopyren, das auch Zigarettenrauch so gefährlich macht. Teer hilft zwar gegen Juckreiz und wird bis heute in Medikamenten verarbeitet. Aber weil es krebserregend ist, wurde es aus der Kosmetik verbannt.

Ägyptologe Höveler-Müller ist sich nahezu sicher, die Ursache für den Tod der Pharaonin gefunden zu haben: „Wir wissen schon lange, dass Hatschepsut Krebs hatte und vielleicht sogar daran gestorben ist.“ Die Öffnung des Flakons habe nun offenbar die Ursache für die Erkrankung ans Licht gebracht.

Erst 2007 hatten Archäologen in Kairo eine schon 1903 im Tal der Könige entdeckte Mumie zweifelsfrei als Überreste Hatschepsuts identifiziert. Damals ergab die Analyse einen natürlichen Tod – Krebs oder Diabetes. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, Hatschepsut könnte ermordet worden sein. Dass die krebserregende Substanz der Hautlotion in mörderischer Absicht beigefügt wurde, schließt Wiedenfeld aber aus. „Niemand wusste damals um die Wirkung dieser Stoffe, Krebs als Krankheit war völlig unbekannt“, sagte er dem Tagesspiegel.

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