Welt : Warum wurde nicht gewarnt?

Tornado-Vorhersagen sind unmöglich, sagen die Meteorologen. Sie entstehen in Sekundenschnelle

Andreas Oswald

Der Tornado über Hamburg wirft die Frage auf, warum nach zahlreichen Pannen in der Vergangenheit wegen fehlender Unwetterwarnungen erneut Menschen sterben mussten. In diesem Fall steht der Deutsche Wetterdienst allerdings besser da als früher. Er gab um 18 Uhr 13 eine „Amtliche Warnung vor Gewitter“ heraus. Der Tornado bildete sich gegen 19 Uhr und dauerte Berichten zufolge etwa 30 Sekunden. Eine amtliche Gewitterwarnung beinhaltet für die Adressaten – Feuerwehren, Medien, amtliche Stellen – automatisch auch eine Sturmwarnung bis Windstärke 10. Erst bei drohenden Stürmen mit einer Stärke über 10 ergeht eine Sturmwarnung.

Innerhalb eines Tornados liegt die Windstärke zwar sehr viel höher als 10 – sie kann 200 oder gar 300 km/h erreichen – doch ist ein Tornado ein Sonderfall und muss von Orkanen unterschieden werden, die Stunden vorher erkannt werden können. Ein Tornado bildet sich innerhalb von Sekunden aus Gewitterwolken und ist mit bisherigen Erkenntnissen der Meteorologie nicht vorhersehbar. Das sagen alle Wetterdienste übereinstimmend. „Im Grunde kann es bei jedem Gewitter einen Tornado geben, aber nur in den allerseltensten Fällen entsteht einer“, sagt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst. In Deutschland werden jährlich etwa 25 bis 30 registriert, die meisten verlaufen glimpflich irgendwo in der Natur. Erstaunlich ist der Zeitpunkt des Hamburger Tornados. Normalerweise gibt es das Phänomen im Sommer. Es ist ungewöhnlich, dass im März ein Tornado entsteht. In Hamburg traf die warme Luft aus dem Süden auf Kaltluft aus England. Aus einer Verwirbelung entstand der Tornado. Zum Vergleich: Ein Orkan ist ein für die Meteorologen auf dem Radarschirm deutlich sichtbares Phänomen, das frühzeitig erkannt werden kann. Bevor ein über dem Atlantik gebildeter Orkan auf dem Weg über Frankreich oder die Benelux-Länder Deutschland erreicht, vergehen mehrere Stunden. Sie müssten ausreichen, um die Menschen rechtzeitig zu warnen. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Der Deutsche Wetterdienst versagte mehrmals katastrophal, unter anderem in Berlin, wo im Juli 2002 zwei Jugendliche starben. Im Dezember 1999 hatte der Orkan „Lothar“ in Deutschland 17 Todesopfer gefordert. Als im Februar 2002 der Orkan „Anna“ drei Todesopfer forderte und dann auch noch der Sprecher des Wetterdienstes sagte, es sei nicht seine Aufgabe, die breite Öffentlichkeit vor Unwettern zu warnen, verlor der Wetterdienst die Wettervorhersage bei den „Tagesthemen“. In jüngster Zeit fordert der Deutsche Wetterdienst ein Monopol bei Unwettervorhersagen und möchte erreichen, dass private Wetterdienste nicht mehr warnen dürfen. Ob das eine gute Idee ist? Der private Wetterdienst Meteomedia konnte den Tornado zwar auch nicht vorhersehen, hatte aber immerhin vor Sturm gewarnt.

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