Welt : Was das Radarauge alles sieht

Der deutsche Satellit TerraSar-X durchdringt auch Wolken und funkt gestochen scharfe Bilder zur Erde

Paul Janositz

Sie sind gestochen scharf, die Bilder aus dem All von TerraSar-X. Der erste deutsche Radarsatellit ist vor zwei Monaten gestartet. Von einer „Erfolgsgeschichte, die Deutschlands führende Stellung in der Radarfernerkundung“ dokumentiere, sprach Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) jetzt in Berlin. Er präsentierte kontrastreiche, hoch aufgelöste Aufnahmen, die der Satellit zur Erde gefunkt hat.

Darunter finden sich Fotos abgeholzten Regenwaldes im brasilianischen Mato Grosso ebenso wie Aufnahmen der ägyptischen Pyramiden von Gizeh samt den unter Sand versteckten Strukturen. Denn die Radarstrahlen durchdringen nicht nur Wolken, sondern auch ein wenig den Boden, und lassen beispielsweise vom Wasser bedeckte Sandbänke am Strand von Hiddensee erkennen.

So schön wie beklemmend ist die Aufnahme des größten von Menschen in die Erdkruste gegrabenen Lochs. Es liegt in der chilenischen Atacama-Wüste, wo so viel Kupfer abgebaut wird, wie sonst nirgends auf der Welt. Neben der gigantischen Vertiefung sieht man die Stadt Chuquicamata, deren meiste Einwohner ein ähnliches Schicksal erleiden mussten wie viele Menschen im Braunkohlegebiet der Lausitz. Sie mussten ihre Häuser verlassen. Die Tiefe des Lochs ist unbekannt. Sind es 600 Meter oder 1000? Die Daten aus dem All lassen sich zu einem digitalen Höhenmodell zusammenfügen. Dann wird auch dieses Rätsel gelöst werden.

Und vielleicht noch ein anderes aus der Wüste Sahara. In Ouadern in Mauretanien präsentiert sich ein gewaltiger Ring. Er hat einen Durchmesser von etwa 45 Kilometer. Wegen der guten Erkennbarkeit aus dem All orientieren sich Astronauten während des Erdumlaufs daran. Wie das Gebilde entstanden ist, weiß man nicht. Es könnte ein Meteoritenkrater sein oder von fluiden Gesteinsschichten aus dem Erdinnern hochgedrückt worden sein. Das scharfe Radarauge könnte auch für deutsche Landesvermessungsämter interessant sein. Die rechtlich vorgeschriebene Aktualisierung des Kartenmaterials im Fünfjahreszyklus ließe sich mit TerraSar-X vereinfachen. Dazu könnte eine Aufnahme des Nördlinger Ries dienen, eine fast kreisrunde Struktur mit 20 Kilometer Durchmesser auf der Schwäbischen Alb. Auf dem Foto lässt sich die Art der Landnutzung, etwa der Anteil landwirtschaftlicher Flächen, gut bestimmen. Paul Janositz

TerraSar-Bildergalerie im Internet: www.dlr.de/desktopdefault.aspx/

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