Welt : Was für eine Frau

Die „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman sagt, was sie über berufstätige Frauen denkt – nichts Gutes

Ulrike Simon

„Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman hat also ein Problem mit der Emanzipation. Ihr gibt sie die Schuld, dass in Deutschland weniger Kinder geboren werden und die Bevölkerung altert. Das ist einem Beitrag zu entnehmen, den sie für die Maiausgabe des Magazins „Cicero“ geschrieben hat.

Eva Herman begründet ihre Kritik an der Gleichberechtigung mit dem Schöpfungsgedanken. Es sei nun mal der von der Natur gegebene Auftrag an die Frau, Kinder zu bekommen, Mann, Familie und Haushalt zu umsorgen. „Selbstgefälligkeit und Eitelkeit“ seien der Grund, dass Frauen dem „Wahn“ verfallen seien, mit Männern beruflich gleichziehen zu wollen. Wer gegen diese Gesetzmäßigkeiten aus dem fremdbestimmten Zwang zur Selbstverwirklichung heraus verstoße, müsse sich nicht wundern, „wenn die Natur sich gegen uns wendet“. Mal davon abgesehen, dass Klimaerwärmung, Erdbeben oder Waldsterben andere Ursachen haben, gesteht Eva Herman dem weiblichen Geschlecht immerhin zu: „Es ist selbstverständlich, dass Frauen etwas lernen, dass sie sich weiterbilden und Aufgaben auch außerhalb der Familie übernehmen, wenn sie das Talent dafür haben. Doch all das sollte in Maßen geschehen“, schreibt Eva Hermann. Es gibt viele Sätze dieses Kalibers in dem dreiseitigen Text, der illustriert ist mit einem ganzseitigen Foto Eva Hermans. Darauf trägt sie eine schwarze Lederjacke, der Reißverschluss so weit hoch gezogen, dass ausreichend Dekolletee zu sehen bleibt. Dazu eine enge, schwarz-weiße Jeans mit Schlangenmuster. Breitbeinig sitzt sie auf einem Motorrad und lacht, die Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen. Eva Herman inszeniert sich gern als Rockerbraut.

Es ist schon auffällig, dass es immer wieder die Sprecher der „Tagesschau“ sind, die mal durch gezielte Provokation, mal durch ungeplante Peinlichkeiten die mediale Öffentlichkeit auf sich ziehen.

In Erinnerung geblieben sind Schlagzeilen über Dagmar Berghoffs Gesichtslifting, über Jens Riewas Äußerungen zur Qualität angeblicher gemeinsamer Sexnächte mit Schlagersängerin Michelle, über Susan Stahnke, die mal in Strapsen posierte, mal über Hollywood-Karrieren fabulierte. Auch von Eva Herman war schon viel zu lesen, manches war von ihr forciert, manches nicht. Mal waren es psychische Probleme, mal die öffentliche Scheidung, mal der neue Geliebte. Dann wieder schrieb sie einen autobiografischen Roman, der mit ihr in einer Nebenrolle verfilmt wurde („Dann kamst du“) oder propagierte „das Glück vom Stillen“. Woher kommt der Mitteilungsdrang der „Tagesschau“-Sprecherin?

Die „Tagesschau“ wird vom Norddeutschen Rundfunk produziert, der NDR sitzt bekanntlich in der Medienstadt Hamburg, in der man Prominenz und Glamour pflegt – anders als auf dem Mainzer Lerchenberg, wo die Kollegen von „heute“ nicht nur Texte ablesen, also keine Sprecher, sondern Moderatoren sind. Gern tummeln sich „Tagesschau“- Sprecher in der Unterhaltungsbranche. Auch Eva Herman, die in der NDR-Talkshow mit Kollegin Bettina Tietjen das Klischee stutenbissigen Zickenverhaltens inszeniert.

Nun also hat Eva Herman in „Cicero“ einen Beitrag geschrieben der sich in die marketingmäßig von Frank Schirrmachers Buchveröffentlichungen gestützte Demografiedebatte einreiht. „Cicero“ ist jenes Magazin, das Autoren unter der Voraussetzung, dass sie prominent sind, auch unabhängig von Sachkenntnis zu vielfältigen Themen schreiben lässt. Effektvoll betreibt das Blatt PR-Wirbel in eigener Sache: mal mit der so genannten „Cicero“-Affäre, mal buhlte es mit einem Ranking der 500 angeblich intellektuellsten Deutschen um öffentliche Aufmerksamkeit. Die Methode, für alles und jedes Rankings zu erstellen, zeichnete ursprünglich mal das nicht unter Intellektuellenverdacht stehende Magazin „Focus“ aus.

Auch in der Zeitschrift „Leben & erziehen“ aus dem katholischen Weltbild-Verlag zeigt Herman dieser Tage Präsenz. Dort sagt sie in einem Interview, wenn sie ihr Leben zurückdrehen könnte, würde sie sich lieber „einen Mann suchen, der das Geld verdient, fünf Kinder bekommen und zu Hause bleiben“. Anlass für das Interview ist das neueste Buch der 47-Jährigen, „Jedes Kind kann schlafen lernen“.

Nun mag ja sein, dass die „Tagesschau“-Sprecherin lieber anders leben würde als sie es tut. Wieso sie allerdings in dem „Cicero“-Artikel unterstellt, die Frauen seien „im beruflichen Kampf gegen die Männer am Ende ihrer Kräfte und Ressourcen angelangt“, wie sie auf die Behauptung kommt, Frauen seien „ausgelaugt, müde und haben wegen ihrer permanenten Überforderung nicht selten suizidale Fantasien“, das weiß nur die Autorin selbst.

Überhaupt stellt sich die Frage, wieso Eva Herman glaubt, im Namen „von uns Frauen“ sprechen zu können. Jeder möge nach seiner Fasson leben. Das sagte schon der Alte Fritz, übrigens lange bevor es die Emanzipationsbewegung gab – deren Anführerinnen „in den meisten Fällen selber niemals Kinder, geschweige denn Männer hatten“, wie Eva Herman weiß. Die „Tagesschau“-Sprecherin glaubt, dass der Lebensabend Kinderloser „eine Zeit des schmerzvollen Nachdenkens und der tiefen Reue“ zu werden droht: Wie kann sie unterstellen, dass für andere gilt, was für sie gelten würde? Ist es nicht so, dass jeder das Recht hat, sein Leben so zu gestalten, wie er es möchte, sein Leben mit den Inhalten zu füllen, die er will, ohne dafür an den Pranger gestellt zu werden?

Nicht für jeden gilt: Privat ist privat. Eva Herman macht ihr Privatleben öffentlich zugänglich. Vielleicht rührt daher das Missverständnis, ihre privaten Ansichten seien öffentlich gültige. Jedoch: Die PR-Tricks von „Cicero“ und Eva Herman funktionieren. Das zeigen die zahlreichen Beiträge, die sich damit beschäftigen, den vorliegenden eingeschlossen.

Als von der Emanzipation der Frau noch niemand sprach, hatten Frauen übrigens – außer im Haushalt – nichts zu sagen. Schon gar nicht hätte man sie Beiträge zu gesellschaftspolitischen Fragen schreiben lassen, ob sie nun klug sind oder nicht. Auch das ist eine Errungenschaft der Gleichberechtigung.

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