Was geschah wirklich beim Flug AF 447? : Überforderte Piloten

In Paris ist der Abschlussbericht der Untersuchungskommission zum Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik veröffentlicht worden. Er weist nicht nur menschliches Versagen nach.

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Spuren im Meer. Die brasilianische Marine bei der Bergung eines Heckteils im Juni 2009.
Spuren im Meer. Die brasilianische Marine bei der Bergung eines Heckteils im Juni 2009.Foto: AFP

Mehr als drei Jahre nach dem Absturz des Fluges von Rio de Janeiro nach Paris im Meer vor Brasilien wurde am Donnerstag der Abschlussbericht der Untersuchungen in Le Bourget bei Paris veröffentlicht. Bei dem Air-France-Flug 447 starben am 1. Juni 2009 insgesamt 228 Menschen, darunter auch 28 Deutsche. Die zentrale Frage lautet, wie drei gut ausgebildete Piloten alle Warnzeichen im Cockpit ignorieren konnten. Die französische Untersuchungsbehörde für Flugunfälle – Bureau d´enquêtes et d´analyses, BEA – sollte den Ablauf der Ereignisse unmittelbar vor dem Absturz des Airbus A330-200 am Pfingstmontag über dem Atlantik erläutern. Sie macht in ihrem Abschlussbericht vor allem menschliches Versagen verantwortlich, aber auch technische Probleme.

Die Piloten seien nach einer Vereisung der Sonden zur Geschwindigkeitsmessung überfordert gewesen und hätten deshalb komplett die Kontrolle verloren. Keiner der drei Piloten habe trotz mehrerer Alarmzeichen bemerkt, dass das Flugzeug abstürzt. Die Alarmzeichen selber sollen es andererseits für die Besatzung schwierig gemacht haben, die Zeichen des Absturzes zu analysieren. Die Bordanzeigen sollen verwirrend gewesen sein. Die Piloten seien vor allem durch die Positionsanzeige, einen roten Punkt auf dem Bildschirm, verwirrt worden. Diese Information sei falsch gewesen, das Kreuz habe sich an einer falschen Stelle befunden. Das habe dazu geführt, dass die Piloten das Flugzeug hochzogen, das aber schon hochgezogen war.

Video: Flug 447 - Piloten und Technik versagten

Die falsche Position des Kreuzes sei durch die Panne der für die Geschwindigkeitsmessung wichtigen Pivot-Sonden entstanden. Diese seien vereist, die Geschwindigkeitsmesser konnten deshalb die Geschwindigkeit nicht mehr angeben. Die Sonden standen am Anfang einer verhängnisvollen Kette von Ereignissen, die zu dem Unglück führten. Die Piloten waren nicht ausreichend auf ein mögliches Einfrieren der Sonden vorbereitet.

Die Experten geben in dem Bericht 41 Empfehlungen zur besseren Sicherheit. Sie schlagen in dem Gutachten eine verbesserte Pilotenschulung für ungewohnte Situationen vor, aber auch Verbesserungen der Anzeigen im Cockpit und der Alarmsysteme. So war die Crew nicht auf die Vereisung der Sonden und die Konsequenzen, auf Geschwindigkeitsanomalien und ein manuelles Steuern des Flugzeuges in großer Höhe vorbereitet. Die Sonden des Herstellers Thales, die leicht vereisten, wurden bereits kurz nach dem Absturz aus dem Verkehr gezogen. BEA-Chef Jean Paul Troadec betonte nach der Vorstellung, dass seine Behörde nicht die Aufgabe gehabt habe, die Verantwortlichen zu suchen. Das sei nun Sache der Justiz. Airbus erklärte, man werde alles tun, um die Sicherheit der Flugzeuge zu verbessern. Air France betonte, das Unternehmen verbessere ständig die Sicherheit.

Die Angehörigen der Opfer reagierten enttäuscht. Sie betonten, dass die technischen Mängel in dem Bericht nicht genügend im Vordergrund stehen.

Die Untersuchungen brauchten deshalb drei Jahre, weil der Absturz des Fluges 447 im Meer erfolgte und die Suche nach Flugzeugteilen sich lange hinzog. Erst im Mai 2011 wurde der Flugdatenschreiber der Unglücksmaschine in 4000 Metern Tiefe gefunden, der Auskunft über die Einzelheiten des Fluges und die Gespräche der Piloten gibt. Bei den Ermittlungen stützten sich die Experten der BEA vor allem auf die Auswertung der Flugschreiber. Die Untersuchung der BEA ist aber nicht die einzige. Die Experten der Justiz veröffentlichen ihren Bericht am 10. Juli, doch die Ergebnisse wurden schon vorab bekannt. Sie schließen auf ein Zusammenspiel von technischen Fehlern, menschlichem Versagen und ungeeigneten Prozeduren während des Fluges. Hier stehen mehr die technischen Probleme und die mangelnde Ausbildung der Piloten im Vordergrund.

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